Amanda

Der Alarm kam gleich morgens um 7 Uhr..

Ein Drillingsfrühgeborenes in der 33 Schwangerschaftswoche wird wahrscheinlich im Laufe des Vormittags versterben. Das Mädchen ist heute 8 Tage alt. Amanda Viktoria.

Welch’ schöner Name..   so schwere Stunden für die Eltern..

Ich rief in der Klink an.. Dort sagte man mir, dass Amanda vor 5 min. eingeschlafen ist.. Ich sprach mich im Forum mit meinen Kollegen ab, ich hatte in der Früh noch einen Termin. Ich konnte ab Mittags übernehmen, meine Kollegin Silke hätte auch ab Mittags gekonnt. Da ich mit meinem Termin schneller fertig war als gedacht, meldete ich mich im Forum, dass ich übernehme und direkt losfahre.  Gedanken an meinen vorherigen Drillingseinsatz gingen mir auf der Fahrt ins Krankenhaus durch den Kopf.. Auch hier hatte es einer der Drei nicht geschafft.. nun schon wieder…

Die liebe Schwester der NEO Intensivstation empfing mich und wir betraten gemeinsam das Zimmer.. da lag sie nun in dem kleinen Bettchen.. sah aus, als würde sie schlafen.. Die Eltern seien im Elternzimmer sagte man mir.. der große Bruder ist auch hier.. er hat die kleine Amanda noch nicht gesehen.. er traute sich nicht.. Nur zu gut konnte ich das verstehen.. Carl ist 8 Jahre alt.. versteht das Wort „Tod“ natürlich.. aber für ein Kind so schwer greifbar.. beide Eltern am Boden zerstört.. Alleine, wenn Eltern viel weinen.. Kinder verstehen es oft nicht, da sie uns Eltern ja in der Regel nicht so erleben..

Den lieben Eltern wurde Bescheid gesagt, dass ich da bin.. und so kamen sie kurze Zeit später ins Zimmer.. mit dem großen Bruder.. der ganz zögerlich zum Bettchen ging.. Er schaut Amanda an.. ich hatte das Gefühl, er wusste nicht wohin mit seinen Gefühlen.. wie auch.. er war von Unsicherheit gezeichnet.. Die Eltern wichen ihm nicht von der Seite.. der Mama liefen Tränchen.. sie streichelte Amanda zart.. hob sie aus dem Bettchen und setzte sich mit ihr auf den Stuhl..

Auch dem Papa liefen die Tränen und er streichelte Carl.. Ich fragte Carl, ob er auch mit auf ein Foto mit seiner Schwester möchte.. Er schüttelte ganz leicht den Kopf.. kaum erkennbar.. Worte konnte er nicht sagen.. Der Papa fragte ihn, ob er zurück ins Wartezimmer möchte.. er nickte.. Carl schaute Amanda an.. streckte seine Hand in ihre Richtung und berührte sie mit einem Finger.. Ich war so gerührt von dieser Situation.. damit habe ich überhaupt nicht gerechnet.. Das er den Mut aufbringen konnte, die Kleine zu berühren.. Ich musste auch eine kleine Tränen wegdrücken und dann nahm ich meine Kamera in die Hand.. Leider zu spät um diese Situation einzufangen.. Carl ging aus dem Zimmer.. Ich war sehr traurig, dass ich nicht schon vorher „bereit“ stand.. aber manchmal brauchen auch wir Fotografen einen Moment, um zu verstehen.. um uns zu sammeln.. Ich fand es aber so mutig von Carl.. er wird sich sicher für immer an diesen Moment erinnern..

Wir fingen an, Familienbilder zu machen.. der Papa fand kaum die Kraft dazu.. Beide Eltern konnten nicht glauben, was da passiert war.. viel zu plötzlich und schnell ging alles..

Was war überhaupt passiert? Die Mama berichtet mir: Warum alles so kam kann uns bis heute niemand sagen.
Wir haben eine traumhafte Vorzeigeschwangerschaft gelebt: keine Beschwerden, kein Liegen, kein Schongang. Ganz im Gegenteil, ich habe mein Leben normal weitergelebt und sogar mein nicht gerade sanftes FitnessTraining bis zum letzten Tag absolviert. Woche für Woche haben wir gehofft es bis über die 30 zu schaffen, dann war 32 das Ziel und mit 33+0 waren wir unsagbar glücklich weil die Drei nicht mal mehr Extremfrühchen waren. In der 34.SSW bei 33+3 hatte Elisabeth scheinbar keine Lust mehr und nach einem Blasensprung am späten Abend wurden unsere drei Musketiere am 26.6. um 1:46 Elisabeth , 1:47 Amanda und um 1:48 Richard geboren. Sie waren allesamt gesund und munter, hatten mit 1700-1800 g ein tolles Gewicht und beste Voraussetzungen. Die Ärzte waren zufrieden und sehr stolz auf uns weil die vollendete 33.SSW doch schon viel für Drillinge ist.

Niemand ahnte, dass das Schicksal einen so traurigen Plan hatte und das Blatt wenden würde. Speziell nachdem wir so weit gekommen waren!

Was genau passiert ist….wenn wir das nur wüssten. Ich wurde am Montag aus der Behandlung entlassen, unsere drei Musketiere waren allesamt keine Intensivfälle mehr und ich hätte mit gutem Gewissen gehen können. Aber irgend etwas war komisch, da war so ein Gefühl…. Direkt Dienstagmorgen erhielten wir den Anruf, dass Amanda operiert werden müsste, dringend. Wir sind natürlich sofort losgefahren und haben uns alles genau erklären lassen. Es hieß, sie habe einen festen Bauch und würde grau werden, der genaue Grund läge wohl im Verdauungstrakt und kann nur beim Hineinschauen in den Bauch lokalisiert werden. Wir haben ihr gerade noch rechtzeitig auf dem Weg in den OP viel Kraft wünschen können, lag sie doch schon vorbereitet im Transportinkubator.

Jan musste dann los, Carl von der Schule abholen und das Wichtigste im Büro erledigen während ich blieb. Am frühen Nachmittag die Nachricht, dass Amanda die OP gut überstanden hat, sie stabil ist und „nur“ ein Teil des Dickdarms entfernt werden musste. Sie wird also höchstwahrscheinlich keinerlei Beeinträchtigung in ihrem späteren Leben haben werden und es wäre auch noch soviel Darm vorhanden um den künstlichen Ausgang wieder zurück verlegen zu können. Welch gute Nachricht in diesen angstvollen Stunden. Jan und Carl holten mich an späten Nachmittag ab und wir gingen mit guter Hoffnung, dass unser kleines Mädchen ihrem Namen alle Ehre macht und kämpft.

Als wir am späten Abend anriefen um uns nach ihr zu erkundigen, entschuldigte sich der Arzt dass er sich bisher nicht melden konnte, aber er hätte die letzten 2 Stunden um ihren Kreislauf gekämpft. Er hätte sie wohl aber abgefangen und man müsste nun schauen. Die nächsten Stunden bangten und zitterten wir, an Schlaf nicht zu denken. Gegen 4 Uhr dann der alles verändernde Anruf….wir sollten uns auf den Weg machen…..Wir wussten was das hieß… In der Klinik angekommen, erzählte uns der Arzt, dass Amandas Organe nach und nach versagten und man nicht sagen könne, wie lange ihr nun noch bliebe….es könnten Stunden sein aber auch nur noch Minuten. Wir waren bei ihr, hielten ihre Hand und streichelten sie bis ihr Herz um kurz vor 7 Uhr aufhörte zu schlagen.

… und um kurz nach 7 Uhr rief ich in der Klinik an… nichts ahnend, was die liebe Familie gerade durchgemacht hat..

Die Mama wünschte sich noch Bilder von ihr und Amanda.. ich erfüllte ihr diesen Wunsch..

… was mich besonders berührt hat, war die Situation mit Amandas großen Bruder Carl und auch folgende.. Als Amanda in ihrem Bettchen lag, machten wir u. a. auch Bilder von ihren kleinen Füßen und ihren Händen.. Ich legte Amandas Hand auf die Hand der Mama.. die Hand vom Papa dazu.. als wir fertig waren, nahm der Papa sein Hand weg.. Amandas Mama aber konnte die Hand nicht lösen.. sie beugte sich über ihre Tochter.. streichelte sie sanft.. bewegte sich kaum.. nur ihre Finger streichelten leicht und sanft den Kopf.. immer wieder tropften Tränen herunter.. diese Stille.. diesen Schmerz.. noch immer kann ich ihn in mir fühlen..

Eine kleine Ewigkeit hat es gedauert.. ich gab der Mama alle Zeit, die sie brauchte.. alle Zeit der Welt würde zu wenig sein.. das wusste ich.. und während ich das hier schreibe, kullert mir erneut eine Träne runter.. noch immer fühle ich diese Situation so doll..

Später verabschiedete ich mich.. sagte den Eltern, dass sie sich soviel Zeit nehmen sollen, wie sie brauchen.. Im Wissen, dass die Station es möglich macht.. Dieser liebevolle Umgang mit den Sternenkindern im UKSH Kiel berührt mich jedesmal aufs Neue.. Danke ihr Lieben.. ich glaube, ihr wisst gar nicht, was es den Eltern bedeutet.. auch wenn sie es in diesem Moment gar nicht realisieren können..

Heute ist dieser Einsatz über 8 Wochen her.. seitdem bin ich mit der Mama im Kontakt..

Nachdem die Eltern meinen Umschlag mit den Bildern, mit dem Buch für Carl und einem Brief von mir erhalten haben, schrieb die Mama:

Zu allererst möchte ich dir noch einmal für dein Dasein danken! DU hast uns Erinnerungen geschenkt, die uns niemand mehr nehmen kann und warst dabei so rührend und liebevoll. Wir wissen, dass solch traurige Schicksale auch an dir nicht vorüber gehen und es ist phantastisch, dass es Menschen wie dich gibt <3
Der Umschlag ist gestern angekommen und wir haben ihn auch schon geöffnet….alles so liebe- und würdevoll, dass mir schon wieder die Tränen kommen. Derzeit schaffen wir es noch nicht uns Amandas Bilder anzusehen, aber es ist gut zu wissen, dass wir dies jederzeit tun können – dank dir!
Das Bild, das du mir geschickt hast ist wundervoll! Ich weiß gar nicht, wie ich dafür danken kann. Worte reichen kaum aus um zu beschreiben, wie sehr wir die Mühe und Arbeit, das Engagement und der Wunsch uns Gutes zu tun von uns geschätzt werden.

Tausend Dank für alles <3

Darum tun wir das.. es ist so wichtig, dieses Bilder zu haben ihr Lieben.. und auch wenn sie noch lange im Umschlag liegen.. Es ist so wichtig, diese Erinnerungen einzufangen.. für sofort.. für in ein paar Tagen.. für in ein paar Wochen.. oder gar Jahren.. wenn der Wunsch kommt, sie anzusehen.. dann sind sie greifbar nah..

Liebe Tanja,

heute habe ich mir das erste Foto unserer Amanda angesehen – sie ist so wunderschön gewesen und ich bin dir aus tiefstem Herzen dankbar, dass du uns diese Erinnerung an sie geschenkt hast!

… so viel Kraft wird es gekostet haben.. Ihr lieben.. ich denke noch oft an euch.. und als ich vor ein paar Tagen auf Station war, hab ich gefragt, ob ihr da seid.. leider nicht.. wir hatten uns gerade verpasst.. gerne hätte ich euch nochmal gedrückt.. und euch gesagt, wie sehr ich euch wünsche, dass ihr eure Zwei ganz bald mit nach Hause nehmen dürft..

Vor 4 Wochen schrieb sie mir:

Es ist so unfassbar, ungreifbar, unveränderlich. Genau heute ist es einen Monat her, dass
sie uns verließ. Der Schmerz, die Trauer und die Ungerechtigkeit des Schicksals holt uns immer wieder ein – ganz unverhofft, wann immer das Leben es will.

Gestern las ich einen Spruch:

Es geht nicht ums Leben, sondern ums Überleben. Genau das ist es gerade!

 

.. ja.. so sehr kann ich das nachempfinden.. besonders schwer fällt den Eltern der tägliche Besuch von Richard und Elisabeth.. auf der einen Seite die Freude auf die Kindern.. die Angst, die sie begleitet.. das Klingeln auf Station.. die Gewissheit, dass nur noch zwei ihrer Babys auf sie warten.. jedes Klingeln an der Tür kostet Kraft uns Überwindung und immer ist die Erinnerung dabei….

In den letzten Tagen durften die lieben Eltern endlich Amandas Geschwister nach Hause holen.. Ich freue mich so sehr mit ihnen.. Mittlerweile weiß man auch, warum sie gestorben ist.. es gibt die Gewissheit, dass keiner etwas tun konnte.. Die Ärzte haben alles getan, was möglich war.. Amanda hatte bei der Reise ins Sternenland keine Schmerzen.. der Gedanke ist ein wenig tröstlich..

Ich danke euch, dass ich eure wunderhübsche Tochter Amanda kennenlernen durfte..

Amanda bedeutet, die, die geliebt werden muss.. und ich glaube, sie wird auch immer einen Platz im Herzen ihrer Geschwister haben, auch wenn sie sich nicht an sie erinnern können.. Ich glaube, besonders Elisabeth wird eine ganz besondere Verbindung zu ihrer Schwester haben.. und ich bin mir sicher, dass die Bilder von ihr beiden Geschwistern eine greifbare Erinnerung geben werden.

<3

Sternenkind Titus

Titus

 

 

Die Alarmierung kam am späten Abend.. Titus. 8 Tage alt.

Ich las: Die Eltern wünschen Fotos vor dem möglichem Versterben des Kindes.

Ich rief in der Klinik an und erfuhr, dass der Kleine zur Zeit beatmet wird, sein Zustand im Moment stabil sei. Man weiß nicht, ob die große Schwester mit dabei sein soll.. Die Eltern haben gerade die Klinik verlassen…

Am nächsten Tag bin ich nach Rücksprache mit der Klinik in die Uni gefahren. Der kleine Titus lag im Inkubator, allerdings wurde er nicht gewärmt, sondern gekühlt.. Er bekommt immer wieder Fieber erfahre ich.. Der arme kleine Kerl…

Was war passiert?

Die Mama berichtet:

„Es gab nie Probleme während der Schwangerschaft. Ich machte mir gegen Ende der Schwangerschaft ein wenig Sorgen weil ich deutlich runder war als bei unserer Tochter, als ich den Arzt beim letzten großen Ultraschall in der 34.SSW fragte, ob er denn irgendwie übermäßig groß wäre, da meinte der nur: „Dass das kein winziges Baby wird, das sieht man schon am Bauch, aber Gewichtsprognosen, ermessen am Ultraschall Bild sind eh immer sehr ungenau und deswegen mache er das gar nicht. Zwei Wochen vor dem errechneten Geburtstermin stellten wir uns in der Klinik vor, die Ärztin dort schätzte ihn auf 3800g. Ich dachte mir, dass sind 300g mehr als Talina das kriegen wir schon hin, ist ja das zweite Kind, die flutschen doch so raus.

Aus dem Grund habe ich mich auch für die Klinik hier vor Ort entschieden.. Hätte ich gewusst, was passiert.. ich wäre gleich ins UKSH gefahren.

Woche nach dem errechneten Stichtag ging es denn endlich los. Vorher waren wir schon 2x mit Fehlalarm in der Klinik gewesen und konnten wieder nach Hause fahren. Ich war so froh und konnte es kaum erwarten. Ich hatte wirklich genug von den Wassereinlagerungen in meinen einst schlanken Füßen und Beinen. Von dem überdimensionalen Bauch ganz zu schweigen. Ich war motiviert, hielt die Schmerzen auch erst gut aus und als die Schmerzen zu stark wurden bekam ich eine PDA und alles war gut.

Ich war bereit.

Die Presswehen setzten ein und ich gab mein bestes, aber als sein Kopf endlich draußen war passierte trotz all meinen Bemühungen nix mehr. Er steckte mit der Schulter fest und wollte einfach nicht raus kommen.

Schulterdystokie ein seltener Notfall während einer Geburt.

Ich habe noch nie davon gehört, war nur fassungslos, das schon wieder eine Geburt so schwierig für uns wird. Die große Schwester kam vor 3 Jahren mit der Nabelschnur um den Hals auf die Welt. Sie musste direkt nach der Geburt versorgt werden, Papa durfte nicht mal die Nabelschnur durchschneiden, es musste schnell gehen. Sie musste die Nacht in einer anderen Klinik auf der Intensivstation verbringen. Jetzt 3 ganze Jahre später das gleiche Szenario. Nachdem die Hebamme inklusive Oberarzt gerissen und gezogen hatten war er endlich draußen.

Stille.

Wieder kein Schreien, wieder durfte Papa nicht die Nabelschnur durchschneiden. Ich brach in Tränen aus, das konnte doch nicht schon wieder passieren.

Aber von Titus kam auch nach Minuten kein Ton.

Sie belebten ihn wieder. Erfolgreich. Doch auch er musste verlegt werden auf die Intensivstation ins UKSH Kiel. Ich blieb in der anderen Klinik. So war ich nah zu Hause.. aber so weit weg von meinem Baby. Es zerriss mir das Herz. .

Doch auch er musste verlegt werden auf die Intensivstation ins UKSH Kiel. Wieder die erste Nacht als Mama und Papa ohne Baby. Am nächsten Tag konnte Papa diesmal allerdings nicht los und Titus abholen, weil alles wieder gut war wie bei der großen Schwester. Nein. Titus konnte nicht nach Hause. Ich wurde aus der Klinik entlassen und in der Uni in Kiel bei meinem Sohn wieder aufgenommen. Wir sprachen mit dem Arzt der uns sagte, dass Titus unter der Geburt gute 15min nicht mit Sauerstoff versorgt worden ist und sie ihn nun auf der Intensivstation in einen komatösen Zustand versetzt und auf 33,5 Grad Celsius Körpertemperatur runter gekühlt haben. Das beste, was man machen kann um den Gehirnschaden nicht zu verschlimmern und dem Gehirn die Möglichkeit zu geben, sich so weit es geht zu regenerieren. In 72 Stunden würden sie ihn langsam erwärmen, dann wissen sie mehr. Momentan sei keine Prognose möglich, man müsse gucken, wie es ist, wenn er wach ist.

Ein Schlag ins Gesicht – aber ich blieb positiv. Meine Gedanken: Er wird bestimmt nur ein bisschen Ergotherapie brauchen in seinem Leben. Vielleicht irgendwann ein bisschen Sprachförderung, was soll schon schlimmes passiert sein. Montag waren die 72 Stunden um, unser Kind war warm. Ich werde nie vergessen, wie der Arzt zu mir kam um mir zu sagen, dass sich an seiner Gehirnaktivität leider nix getan hat. Es ist kaum was da, er hatte gehofft es würde mehr werden, aber das ist es leider nicht. Man könnte nochmal abwarten, bis die Sedierung aus seinem Körper raus war, aber wir müssen uns darauf vorbereiten, dass Titus niemals aufwachen wird und es nicht gut für ihn aussieht.

Unsere Welt brach zusammen. Das konnte doch nicht sein. Mein gesundes Kind doch nicht. Es war doch die ganze Schwangerschaft alles in Ordnung gewesen. Ich wollte entlassen werden, ich konnte nicht mehr im Krankenhaus bleiben. Wir besuchten ihn gleich am nächsten Tag. Er lag immer noch da.. beatmet, an Kabeln und Schläuchen – alles unverändert. Abends fuhren wir nochmal zu ihm. Der schlimmste Tag bis dahin. Er hatte einen sehr hohen Puls, 40 Fieber. Sein Blutdruck schoss auch in die Höhe und der Druck in seinem Gehirn war auch zu hoch. Er litt, man sah es ihm an, obwohl er sich nicht bewegte oder Geräusche von sich gab.

Dienstagabend dachte ich, ich würde ihn verlieren. Papa und ich weinten, ich hatte ihn noch nicht mal auf dem Arm gehabt. Die Nachtschwester meinte, es wäre kein Problem wenn ich ihn halten möchte, dann dürfte ich das. Sein Arzt kam trotz der späten Stunde auch noch, um mit uns zu reden.Alle im UKSH kümmerten sich toll um uns. Wir fühlen uns gut aufgehoben und wusste: Alles, was möglich ist, wird für Titus getan.. Trotzdem: Das alles sorgte nur dafür, dass ich mir mittlerweile sicher war mein Kind würde diese Nacht noch sterben. Trotzdem fuhren wir irgendwann nach Hause und hofften, dass die Klinik nicht anrufen würde. Der Anruf kam nicht. Am nächsten Tag war alles wieder beim alten und wir schöpften neue Hoffnung. Wenn er das schaffte, konnte er sich auch ganz zurück ins Leben kämpfen. Die Ärzte wollten ein großes EEG mit mehr Ableitungen machen. Zusätzlich zur Dauerüberwachung um zu sehen ob nicht doch etwas in seinem kleinen Kopf funktioniert.

Wir besuchten ihn jeden Tag 2 Mal. Einmal Vormittags und einmal Abends, wenn die große Schwester im Bett war. Ich redete mir ein, meine Mutterliebe würde schon helfen.

Als wir das Ergebnis vom EEG bekamen wusste ich, dass meine Liebe leider nicht half. Titus zeigte auch da kaum Ausschläge und man muss davon ausgehen, dass er sich niemals entwickeln wird und für immer auf Kabel und Schläuche angewiesen ist.
Mein Herz zerbrach in 1 Millionen Teile. Warum wir? Warum ausgerechnet mein Kind? Der große 4,7kg schwere Titus, der so fehl am Platz ist auf einer Intensivstation voller Frühchen.
Sein Arzt schlug vor Anfang der nächsten Woche noch ein MRT zu machen, damit wäre denn alles an Diagnostik für ihn ausgeschöpft. Wir wussten alle, es würde nix an seinem Schicksal ändern.. aber auch ich brauchte dieses MRT für das Gefühl alles getan zu haben“.
An diesem Abend kam der Alarm und ich telefonierte mit der Klinik. Titus war zu dem Zeitpunkt 8 Tage alt.

Als ich am nächsten Tag im Krankenhaus ankam begrüßten mich die Schwestern ganz lieb.. Man kennt sich halt.. Viel zu oft sind wir dort.. Ich betrat das Zimmer in dem Titus lag. Er schlief in seinem „Bettchen“ und seine Eltern schauten ihn an.. Wir begrüßten uns und ich sagte ihnen, wer ich bin.

Da lag er nun.. der kleine große Titus. Von oben bis unten verkabelt.. Er hatte ganz viel dunkle Haare, das ist mir als erstes aufgefallen. Ich begann sein Gesicht zu fotografieren.. die Hände.. die Füsse.. Titus reagierte teilweise auf unsere Berührungen.. Die Eltern wünschten sich Kuschelbilder und zu zweit hoben die Schwestern ihn langsam auf den Arm der Mama. So viele Kabel mussten gesichert werden.. Es dauerte etwas, bis eine für Titus gute Position gefunden werden konnte.. er wurde ja weiter beatmet.. alle Schläuche blieben natürlich dran.. der Papa küsste ihn sanft.. die Mama streichelte ihn.. ich hielt alles in Bildern fest..

Die Mama berichtete mir vom bevorstehenden MRT… Sie muss – wie sie schon oben geschrieben hat – das Gefühl haben auch wirklich alles getan zu haben.. möchte sicher gehen.. und wie befürchtet, bestätigte das MRT die Diagnose.. Sein Großhirn hat einen zu großen Schaden genommen.. sein Kleinhirn funktionierte noch in Teilen.. darum hat er auf unsere Berührungen reagiert..

Wieder Stille.. und die Frage… warum?

Die große Schwester hatte Titus noch nicht gesehen. Talina ist drei und darf nicht auf die Intensivstation. Wir sprachen über den „Fall der Fälle“… Ich ermutigte die Eltern Talina die Chance zu geben ihren kleinen Bruder kennen zu lernen. Wie sonst soll sie verstehen, was passiert ist.. Mama hatte ein Baby im Bauch und auf einmal ist es weg.. er wird für sie nie dagewesen sein.. Ich berichtete von meinem Einsatz bei dem kleinen Joshua.. und die durchweg positiven Erfahrungen, die die Eltern gemacht haben.. Talina habe große Angst vor Ärzten.. vor Krankenhäusern.. Ich sagte, vielleicht können wir uns sonst in dem Warteraum treffen. Es wird sicher eine Möglichkeit geben.. Sie wollten drüber nachdenken..

Ich verlies die Klinik später mit ganz gemischten Gefühlen.. es bestand kaum Hoffnung.. aber schon mehrfach haben wir Wunder erlebt.. Ich habe so sehr gehofft, dass auch Titus ein Wunder sein wird..

Anfang der Woche habe ich mit dem Papa geschrieben.. Man wartet auf die Ergebnisse.. Dienstag oder Mittwoch sollen sie vorliegen..

Ich hörte die Woche über nix mehr.. Ich hatte so große Hoffnung.. Dann am Freitag sah ich schon die Nummer der NEO… Titus ist gerade eingeschlafen – die Eltern haben gesagt, wir sollen dich sofort anrufen…

Leere..

Nun doch..  Es hat mich sehr traurig gemacht..

Ich hatte zum Glück Zeit und habe mich direkt auf den Weg gemacht. Die Mama saß mit Titus im Arm auf dem Sessel.. Ich ging zu den beiden… streichelte Titus.. sagte der Mama Hallo und drückte sie.. so schwere Minuten..
Titus sah ganz friedlich aus.. ganz anders.. so ohne Schläuche.. so ein hübscher Junge.. es ist einfach nicht zu verstehen.. Ich streichelte ihn erneut, die Mama berichtete mir:

Das MRT brachte wie zu erwarten keine positive Wendung. Wir konnten es aber nicht mehr ertragen ihn so leiden zu sehen, also beschlossen wir Titus am Ende der Woche zu erlösen. Seine ganze Familie nahm sich die Zeit ihn zu besuchen und sich zu verabschieden: Omas, Onkel, Tanten so schwer es auch fiel alles wollten ihn kennenlernen. Wir überlegten lange, was wir mit Talina machen sollten. Würde sie mit ihren 3 Jahren verstehen, was wir von ihr wollen? Wenn wir ihr die Situation um ihren Bruder erklären? Soll sie ihn kennenlernen? Nachdem mein Mann mir erzählte, er erinnere sich noch daran wie er mit 3 seinen kleinen Bruder im Krankenhaus besucht hat ,als er geboren wurde, war klar: Ja Talina soll und muss ihn kennenlernen!! Die Woche ging zu Ende und Freitag den 27.07 genau 2 Wochen und 1 Tag nach seiner Geburt schlief unser kleiner großer tapferer Kämpfer bei mir auf dem Arm für immer ein. So friedlich und entspannt: Ich bin mir sicher, die richtige Entscheidung getroffen zu haben.

Die Mama sagte, dass Talina im Wartezimmer ist und gerade geholt wird.. sie hat Titus noch nicht gesehen..

Welch’ bewegender Moment. Der Papa kam mit Talina auf dem Arm ins Zimmer. Sie hatte in der einen Hand ihren Kuschelhund und in der anderen zwei große Luftballons.. einen blauen für Titus und einen rosafarbenen für sie.. der Papa stelle sich zu uns und Talina schaute unsicher abwechseln zu Titus.. dann wieder zu mir.. Sie kannte uns beide ja nicht.. Wollte aber auch nicht zu Mama und Titus auf den Arm.. Dann fingen wir einfach an zu erzählen.. Ich sagte: „Talina, hast du schon gesehen, dass Titus auch eine Nase hat?“ … sie schaute interessiert ihren Bruder an.. der Papa kniete sich hin.. „Talina, wo ist denn deine Nase?“ .. sie zeigte auf ihre.. „.. und die vom Papa?“ .. sie zeige auf Paps Nase.. „und von Titus?“ … Talina beugte sich vor und zeigte mit ihrem Finger auf Titus Nase.. da war das Eis gebrochen.. sie berührte sein Hand.. seine Haare .. seine Füsse.. ich war so berührt von dieser Situation.. Ich hielt alles in Bildern fest.. schon bald schaute sie nicht mehr bei jedem klicken der Kamera zu mir.. Wir erzählten einfach weiter.. Machten Späße mit Talina.. sie sollte diese Momente in schöner Erinnerung behalten.. so merkwürdig es klingen mag, aber Kinder gehen ganz anders mit dem Tod um, als wir Erwachsenen. Sie wissen nix von dem Verlust.. von dem Schmerz der da ist.. da liegt der Bruder auf dem Arm der Mama.. und sie sieht ihn das erste Mal.. lernt ihn ein bisschen kennen.. berührt ihn.. es gibt nur diese eine Chance… Viele glauben, es den Kindern nicht „antun zu können“…. sie vor dem Schmerz beschützen zu wollen.. Aus meiner Sicht ist die Leere später ein viel schlimmerer Schmerz.. und Talina wird verstehen, warum Titus nicht mit nach Hause kommen kann.. aber sie hat gesehen, dass er da war.. kann verstehen, warum Mama und Papa auch mal weinen.. wie sonst begreift ein Kind das?
Ich habe mich so gefreut, dass die lieben Eltern sich zu diesem Schritt gewagt haben.. Es wird für Talina so wichtig sein.. Wir haben dann auch noch alle Finger gezählt.. alle Zehen.. und Talina hat gesehen.. er hat genauso viele wie sie 🙂

Die Mama schrieb mir: “Talina durfte ihren Bruder kennen lernen.. Momente so bittersüß ich werde sie niemals vergessen”.

Später haben die Eltern Talina dann erzählt, dass sie Titus leider nicht mit nach Hause nehmen können..

Ich habe dann Titus alleine fotografiert. Auch er hat ein Herzchen bekommen.. eines, dass er immer bei sich behalten wird.. das andere haben die Eltern für immer bei sich.. eine kleine Verbindung zwischen ihnen..

Ich habe mich dann zeitnah von der lieben Familie verabschiedet.. sie sollen die kurze gemeinsame Zeit noch alleine erleben.. Ich bin nach Hause gefahren und habe meinen inneren Frieden mit mir gefunden.. Ich bin so stolz auf die Eltern, dass sie den Mut gezeigt haben.. Titus sah so friedlich aus.. und Talina hat die Momente ganz, ganz großartig gemeistert.. Verstehen wird sie es … später.. irgendwann..

Heute – gut eine Woche später – berichtete mir die Mama:

Talina spricht viel von Titus… Immer mal wieder… sie hat auch gefragt ob wir ihn mit in Urlaub nehmen, das ist natürlich manchmal ein bisschen hart für uns wenn wir immer aufs Neue erklären müssen, dass das nicht geht. Titus mussten wir ja beerdigen, er wohnt jetzt bei den Sternen. Aber sie guckt sich die Bilder immer wieder an und erzählt heimlich ihrem Plüschtier Mini Bo von ihm, wenn sie denkt wir hören nicht zu <3

… und das ihr Lieben… das bewegt mich sehr.. denn Talina fängt so an zu verarbeiten.. Ihr glaubt nicht, wie froh ich bin, dass die lieben Eltern diesen Mut aufgebracht haben..

Gute Reise kleiner Titus… Grüße die anderen kleinen Sternenkinder lieb von mir…

 

 

 

 

 

 

 

 

Lönne

Ihr Lieben…

am Sonntag wurde ich zu einem ganz besonderen Einsatz gerufen.. Vor 3 Wochen wusste ich von der Klinik, dass Zwillinge geboren wurden. Dem einen geht es gut, dem Bruder leider nicht. Sie wüssten nicht, wie es sich entwickelt.. wollten uns aber schon mal Bescheid geben.. Der Anruf kam von der Neo Internsiv des UKSH in Kiel.. Ihr Lieben dort.. ihr macht einen so großartigen Job.. 

Mit der Info habe ich erst mal meine Kollegen benachrichtigt.. mehr wusste ich nicht.. war auch erst mal nicht nötig, denn wir organisierten uns für die kommenden Tage..

Als ich einige Tage später zu einem anderen Einsatz in den Kreißsaal gerufen wurde, habe ich danach die Neo besucht und nach dem kleinen Jungen gefragt.. Dort sagte man mir, er wird beatmet. Man weiß noch nicht, wie es weitergeht..

Ohne ihn.. ohne die Eltern zu kennen.. mir blieb dieses Gespräch auf dem Flur noch lange in Erinnerung, denn ich habe mich in das Gefühl der Eltern versetzt.. Wenige Meter neben dem Zimmer lag der gesunde Zwillingsbruder.. Ein Pendeln zwischen Bangen und Hoffen.. zwischen Freude und Glück.. zwischen Verzweiflung und Hilflosigkeit..

5 Tage später war ich leider schon wieder im Kreißsaal.. und wieder habe ich an den kleinen Jungen gedacht.. Ich stand nach meinen Einsatz am Fahrstuhl und als die Tür der Neo gerade aufging sah ich eine liebe Schwester, die schon einige Einsätze auf dieser Station mit mir zusammen begleitet hat. Ich fragte erneut, wie es dem Kleinen geht und sie schüttelte nur mit dem Kopf und sagte traurig.. nicht so gut.. es wird bald entschieden, wann die Geräte abgeschaltet werden.. oh man.. so traurig.. Ich fragte, ob der Bruder auch noch hier ist.. ja.. das ist er, sagte sie…

Die Beiden sind am 19.01. in der 34 SSW geboren und auch er musste natürlich noch versorgt werden.

Ich bat sie, den Eltern vorzuschlagen die beiden Jungs auch zusammen zu fotografieren.. Soforn es mit dem Gesunden möglich ist.. Dann habe ich mich mit einem Kloß im Hals verabschiedet.. Wieder waren meine Gedanken bei den Eltern.. bei dem kleinen Jungen..

Am Sonntag rief mich die Klinik erneut an.. heute sollte es soweit sein.. die Geräte werden abgeschaltet und die Eltern wünschen sich auch Bilder mit Beiden zusammen.. Ich hatte ja schon mal berichtet, dass dieses „Warten“ ganz schlimm ist.. zu wissen, dass der Anruf kommt.. aber nicht wann.. Es ist was anderes, wenn ein Alarm eingeht, man entscheidet, ob man los kann und direkt fährt. Keine Zeit zum Überlegen. Tasche packen.. los…

Ich habe auch meine Tasche gepackt.. aber ganz in Ruhe.. habe drei Herzen rausgesucht.. nicht zwei.. denn der kleine gesunde Bruder sollte auch für später ein Herz haben.. Eines für die Eltern.. eines für den kleinen Lönne.. nun wusste ich auch seinen Namen.. Lönne.. was für ein schöner Name..

Die Tasche stand im Flur und ich habe gewartet.. es war um die Mittagszeit.. die Eltern waren nun da.. immer wieder kreisten meine Gedanken um den bevorstehenden Einsatz. … der Bruder darf mit auf die Bilder.. mein erster Einsatz mit Zwillingen, wo es einer geschafft hat.. und der andere die Kraft nicht hatte.. Ich hatte keine Sorge, was das Fotografieren angeht.. Ich habe hier bei mir zu Hause schon einige Zwillinge fotografiert.. aber die Emotionen, die dran hingen.. ihr Lieben.. ihr könnt euch sicher vorstellen, wie ich mich gefühlt habe..

Am frühen Abend dann der Anruf: um17.30 Uhr kann ich in der Klink sein.. der kleine Lönne ist eingeschlafen.. er wird nun noch gewaschen.. angezogen.. ich kann mich langsam auf den Weg machen..

In der Klinik angekommen musste ich noch einige Minuten warten, bis ich in das Zimmer der Familie durfte..

Ganz lieb begrüßte mich die Mama und die Oma des kleinen Lönne. Sie standen beide am Bettchen und schauten den so hübschen Jungen an.. Sie lächelten mich an.. eine ganz besondere Stimmung im Raum.. Ich streichelte ihn.. und sagte glaub ich sowas wie: ach Kleiner.. was machst du denn für Sachen.. ich weiß es nicht mehr genau.. die Mama erzählte mir kurz, was passiert ist

Bei einem ganz normalen Routine Ultraschall wurde vermutet, dass Lönne unter Blutarmut leidet. Die Beiden wurden sofort auf die Welt geholt. Doch, schreibt die Mama, es kam alles anders.. Lönne hat bereits im Mutterleib einen schweren Hirnschaden erlitten.. durch Sauerstoffmangel.. Wann und wieso.. das weiß keiner.. Diese Frage wird wohl immer offen bleiben…

Ich fragte die Mama: Er ist friedlich eingeschlafen oder? .. Ja, sagte sie.. ganz, ganz friedlich.. denn so sah er auch aus.. wie schlafend.. so wunderhübsch..

Dann betrat der Papa, mit einem kleinen Bündel Mensch auf dem Arm, den Raum.. Linus.. der gesunde Bruder.. Ich begrüßte den Papa, sah Linus an uns sagte.. die Beiden sehen sich aber ähnlich.. Ja, sagte die Mama.. sie sind eineiig.. und schon wieder hatte ich einen riesen Kloß in meinem Hals.. nicht, dass es die Situation noch schlimmer gemacht hätte.. nein.. das macht keinen Unterschied.. aber ich dachte an den gesunden Bruder.. an später.. an dieses unsichtbare Band, welches die Beiden noch stärker als andere Zwillinge verbindet..

In der Klinik fiel es mir nicht sofort auf.. aber beim Bearbeiten der Bilder.. die Haare.. der Verlauf.. 100%ig gleich.. eineiig halt.. Lönne hat durch die Situation der vergangenen zwei Wochen Wassereinlagerungen, die auch im Gesicht erkennbar waren. Dadurch wirkte er kräftiger als sein Bruder.. und trotzdem.. eine Schnute die Beiden..

Ich sagte den Eltern, dass ich nun anfange zu fotografieren.. dass ich sie mit einbeziehen werde.. dass sie mir sagen sollen, wenn sie irgendwas nicht möchten.. oder sich ganz bestimmte Bilder wünschen.. ja.. die beiden auch zusammen.. so gerne erfüllte ich ihnen auch diesen Wunsch..

Ich begann, Lönne alleine zu fotografieren.. gab die Herzen und erklärte ihnen die Bedeutung.. Die Eltern und die Oma waren sehr gerüht.. Welch schöne Idee sagte die Oma.. ja.. das ist sie .. und ich möchte mich hier nochmal von ganzem Herzen bei allen bedanken, die diese Herzen für uns gefertigt haben.. ihr macht genau diese Gefühle möglich .. und helft so den Eltern, die wissen… eines der Herzen ist für immer bei ihrem Sternenkind.

Ich bezog die Eltern mit ein.. fotografiere die Hände mit Lönnes Hand.. wie sie sanft ihre Hände auf sein Köpfchen legten.. schützend.. über ihn.. so ein rührendes Bild..

Dann legten wir Lönne ganz sanft auf die Matratze .. Vorsichtig nahm ich dem Papa den kleinen Linus ab und in dem Moment wo ich ihn neben Lönne gelegt habe.. ich bekomme gerade wieder am ganzen Körper Gänsehaut.. in dem Moment hat Linus uns sein Engelslächeln gezeigt.. ganz lang.. dass ich es noch geschafft habe, schnell meine Kamera zu schnappen und ein leichtes Grinsen einfangen konnte..

Ihr Lieben.. die beiden waren 34 Wochen zusammen im Bauch und nun nach der Geburt das erste Mal wieder zusammen.. ganz dicht.. und ich glaube Linus wollte Lönne zeigen.. alles wird gut.. Ich weiß, dass es dir gut geht, da wo du nun bist..

.. das erste Mal zusammen… das letzte Mal zusammen..

.. ich brauchte etwas.. bis ich das für mich klar hatte.. auch zu Hause habe ich da immer wieder dran gedacht.. ein unsichtbares Band.. welches Beide verbindet.. er hat gelächelt.. sah so zufrieden aus.. das werde ich nie vergessen…

.. wisst ihr.. ich bin so dankbar für meine Aufgabe, die ich machen darf.. ja.. es ist schwer.. die Gefühle der Eltern.. der Familie.. ich trage viele, viele Einsätze immer noch mit mir.. aber ohne Schmerz.. Denn ich habe die ganz besondere Ehre, dass ich die kleinen Sternchen kennenlernen darf.. und oft bin ich – neben den Eltern und dem Krankenhauspersonal – die einzige, die dieses kleine Kind sehen.. es kennenlernen.. ihm eine gute Reise wünschen darf.. Ich weißt nicht, ob das nachvollziehbar ist.. Es ist schon was ganz Besonderes.. Immer getragen von dem Gedanken, den Eltern diese für sie so wertvollen Erinnerungen zu schenken..

.. er hat gelächelt.. was für ein Moment.. ein Tränchen steigt auf, wenn ich daran denke..

Ich fotografiere die Zwei zusammen, bis ich dann Linus wieder in den Arm des Papas gelegt habe.. und Lönne in den Arm der Mama…

Schwer fiel mir der Abschied.. und ich wusste.. daran werde ich noch sehr lange denken..

Die Mama berichtete mir, dass sie immer meine Berichte gelesen hat.. und nie gedacht hat, selbst mal in so eine Situation zu kommen.. Sie erlaube mir, von diesem für mich so besonderen Einsatz zu berichten.. um aufzuklären.. um bekannt zu machen, dass es uns gibt.. uns ehrenamtliche Fotografen von Dein Sternenkind.

Linus darf mittlerweile bei seinen lieben Eltern zu Hause sein.. und bei seinen Geschwistern.. und heute habe ich die Bilder zur Post gebracht.. mit dem Büchlein „Lilli ist ein Sternenkind“.. das so viele von euch gespendet haben.. Ich danke euch so sehr dafür.. es wird den großen Geschwisterkindern helfen zu verstehen, was passiert ist.. wenn vielleicht den Eltern auch manchmal die Worte fehlen.. wissen sie dann, dass es ok ist, wenn Mama und Papa traurig sind und auch weinen müssen.

Ich Lieben.. ihr kennt das und ich bin euch so unendlich dankbar.. denn nur durch euch wissen so viele von uns.. Teilt diesen Beitrag fleißig.. ruft beim Teilen eure Freunde auf, dies auch zu tun.. bis auch der letzte weiß, dass es uns gibt.. und uns anfordern darf, wenn das Unvorstellbare passiert..

Ich danke euch…

 

 

Sternenkind Fotografie

Warum ich tote Kinder fotografiere…
..werde ich oftmals mit einem Nasenrümpfen gefragt..  Ob das wirklich sein muss.. Ich hab innerlich dann meist eine Wut im Bauch, weil ich mich manchmal rechtfertigen muss..  weil das Verständnis fehlt.. oder vielleicht auch die Vorstellungskraft.. oder dieses Thema ist noch so als Tabuthema in den Köpfen verankert.. ich weiß es nicht..
Warum?? Die Eltern von Sternenkindern haben nur eine sehr, sehr kurze gemeinsame Zeit mit ihrem geliebten Baby.. Die Erinnerung an jedes Detail verschwimmen mit der Zeit..  Der Schmerz ist unendlich.. das schlimmste, was man sich als Eltern vorstellen kann.. Haben diese Eltern nicht auch ein Anrecht darauf, die Erinnerung.. die gemeinsame Zeit auf Bildern festzuhalten?  Einfühlsame,  gemeinsame Bilder? Detailaufnahmen von den kleinen Händchen oder Füßchen zu haben? Jedes Detail ist so wichtig..  Einen Beweis dafür zu haben, dass es „da war“.. das kleine Baby? Später dem Geschwisterkind den kleinen Bruder oder die kleine Schwester zu zeigen? „Es ist unser Kind“, höre ich noch heute den Papa sagen.. Ja! So ist es.. und die Eltern haben einen respektvollen und nicht auf Abstand geprägten Umgang mit sich und dem Baby verdient..  Ich wünsche mir, dass viel mehr von der Möglichkeit wissen, ihr Sternchen kostenlos von uns Fotografen von „DEIN STERNENKIND“ fotografieren zu lassen.. das die Kliniken und Ärzte auf diese Möglichkeit hinweisen..  und ihr Lieben.. das ihr diesen bekannt macht.. um so ganz viele zu informieren..  Ich danke euch von Herzen
Wollt ihr mehr über die Arbeit von DEIN STERNENKIND erfahren? Welche Fotografen gelistet sind? oder ihr seid Fotograf und möchtet euch anschließen? Schaut unter: www.dein-sternenkind.eu

 

KN Artikel

 

NOAH, DAS KLEINE STERNENKIND

Der erste Schrei ist ein deutliches Lebenszeichen des neugeborenen Kindes.. Er schafft Erleichterung.. Doch manchmal gibt es einen ganz stillen Schrei.. einen Schrei, den keiner hören kann.. der Schrei der Eltern, weil sie ihr Sternenkind im Arm halten.. Die Welt scheint still zu stehen.. Was in den Staaten schon weiter akzeptiert ist, ist hier in Deutschland für viele noch ein Tabuthema.. Die Erinnerung festhalten.. in Bildern.. denn auch diese Eltern haben ein Recht darauf, gehört zu werden.. zu trauern.. zu verarbeiten.. Das auch ihr Baby ihnen in Erinnerung bleibt.. sein Aussehen nicht verblasst.. Das die Erinnerung wach bleibt.. und Bilder helfen dabei…. Nicht alle Eltern möchten dies.. nicht alle Eltern schauen sich die Bilder an.. aber sie hätten die Möglichkeit..  Es gibt in Deutschland viele Fotografen (bei z.B.http://www.tapfere-knirpse.de/  oder  www.dein-sternenkind.eu), die den Eltern dieser ganz besonderen Kindern ehrenamtlich Erinnerungsfotos schenken.. Nur leider wissen viele nichts von diesen Möglichkeiten, obwohl sie sich im Nachhinein vielleicht gefühlvolle Bilder von ihrem Engel gewünscht hätten.. Vor einigen Monaten habe auch ich mich dazu entschlossen, Eltern diese Möglichkeit zu geben.. Dass mich mein erster „Foto-Engel-Einsatz“ allerdings zu Mitgliedern meiner Familie geführt hat, hat mir erstmal den Boden unter den Füssen weggerissen.. Noah’s kleine „Geschichte“ soll erzählt werden, schreibt mir die liebe Mama des Kleinen.. Alle sollen wissen, dass er da war..der kleine Noah..   .. Wenn ihr mögt.. lest sie… seine kleine Geschichte…

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Als mich am späten Abend der Anruf erreichte, ob ich mich auf den Weg machen könnte, habe ich sofort meine Sachen gepackt. Der kleine Noah sei auf die Welt gekommen.. er sei wunderhübsch, sagte mir meine Schwägerin..
Auf dem Weg ins Auto schlug mein Herz bis zum Hals und ich zitterte.. Ich fahre jetzt zu  zwei Menschen, die ich so lieb habe.. die ihr kleines Sternenkind zu Welt gebracht haben.. Ich wusste nicht, was mich erwartet.. Wie sieht ein kleiner Mensch aus, wenn es in der 20ssw still zur Welt kommt? Je näher ich zur Uni Kiel fuhr, desto ruhiger wurde ich.. Ich wusste, es sind so wertvolle Bilder für die tapferen Eltern des Kleinen.. nur diese Stunden hatten wir.. diese Stunden, in denen wir Bilder für die Ewigkeit machen konnten..  Ich wusste, es ist genau richtig, dass ich jetzt da bin um diesen einen Wunsch der Eltern zu erfüllen, denn dann müssen sie ihren Engeln bald endgültig zu den Sternen fliegen lassen..
Als der Papa mit seinem klitzekleinem Sternenkind in unseren Raum kam, weinten wir.. wir weinten alle und konnten es nicht begreifen..  wie soll man es auch verstehen..??  Es darf nicht passieren, es war so unwirklich…
..und dann sah ich Noah.. Er war so klein.. so perfekt.. und so wunderhübsch..
Ganz klammheimlich hat er sich in das Leben der kleinen Familie geschlichen.. 17 Wochen lang.. keiner hat was geahnt.. wo es doch eigentlich gar nicht möglich war.. Er hat es geschafft.. Eine Woche.. erst voller Fragen.. dann voller Vorfreude auf dieses neue Leben, welches heran wächst.. nur eine Woche.. dann erste Vermutungen und später die schlimme Gewissheit, Noah ist krank.. wird nicht lebensfähig sein..
In den Stunden nach der Geburt durfte ich da sein.. Durfte in diesen so besonderen Stunden die kleine Familie fotografieren, in denen sie zu dritt waren..  Ohne zu wissen, ob und wann sie diese Fotos überhaupt jemals angeschaut werden.. Vielleicht liegen sie auch einfach nur im Umschlag und dieser bleibt verschlossen.. Aber die Eltern haben die Möglichkeit, sich Bilder von dem kleinen Noah anzuschauen.. Einen Beweis dafür zu haben, dass er wirklich da war.. ein paar Stunden mit ihm zusammen.. Bilder für die Ewigkeit.. Es gab nur diese eine Chance.. Die Mama schreibt mir einen Tag später: „Danke, liebe Tanni, die Bilder helfen mir so sehr.. ich habe so große Angst, ihn zu vergessen“
Nur dafür habe ich es getan und ich weiß heute, dass ich der Familie viel mehr als „nur“ Bilder geschenkt habe..
Ihr Lieben.. ihr lieben Eltern von Noah.. Ich bewundere euch.. Ihr habt soviel Stärke und Kraft gezeigt.. in dieser unvorstellbaren Situation.. Ich bin dankbar, dass ich euren kleinen Engel kennenlernen durfte.. Ihm wird es im Sternenland gut gehen und  Nica, seine kleine Tante wird dort oben gut auf ihn aufpassen.. Daran glaube ich ganz fest..

 

 

 

Das Märchen vom Sternenkind

Der liebe Gott ging seiner täglichen Arbeit nach und schickte neue Kinder auf die Welt.
Ein Engel half ihm bei der Auswahl und der liebe Gott wählte sehr sorgfältig aus, welche Kinder zu welchen Eltern passten.
Gott: “ Zur Frau Müller schicke ich den Buben, der ist sehr lebendig und Frau Müller hat nicht viel Geduld. Das wird sie lernen müssen. Beide werden in diesem Leben lernen Ruhe füreinander zu finden, auch wenn es nicht immer einfach wird.

Er wählte noch einige Kinder aus für die passenden Eltern.

Aber dann kamen wohl wir an der Reihe: „Und diese Familie bekommt dieses Sternenkind“
Der Engel sprach verwundert: “ Aber lieber Gott, warum denn diese Familie sie sind doch so glücklich und so gute Menschen“
Gott: “ Ja das sind sie, aber genau deswegen bekommen sie dieses gesegnete Kind. Sie lieben (Ihre) Kinder über alles und sie werden auch dieses Kind lieben in ihrem Herzen. Eben diese Menschen können ein Kind bis in die Jenseitswelt hinaus unendlich lieben! Deshalb habe ich sie auserwählt.“

Engel: “ Aber was ist, wenn sie verzweifeln, werden sie es überhaupt verkraften können ? „
Gott: “ Ich werde Ihnen die nötige Kraft und Zuversicht geben! Sie werden anfangs zwar sehr verzweifelt sein und sehr viel weinen, aber sie werden lernen, dass man Dinge im Leben nicht beeinflussen kann und manche Dinge in Ihrem Leben noch nicht zu verstehen sind. Sie werden es annehmen und damit leben können. Im Gegenteil, sie werden fühlen was es für ein Glück ist um ihre vorhandenen Kinder oder die die noch kommen werden. Sie werden sehr bewußt jeden Tag auskosten mit Ihren (zukünftigen) Kindern und jede Minute des Lebens mit Glück und Liebe erfüllen.“

Engel: “ Aber lieber Gott, was ist wenn sie Ihren Glauben an dich verliehren in dieser Not?“
Gott: “ Vielleicht werden sie auf mich wütend sein, vielleicht werden sie eine zeitlang sogar mich dafür hassen, aber mit der Zeit werden sie Ihren Glauben stärken. „
Engel: „Aber wodurch denn?“
Gott: “ Sie werden merken, dass ich ihnen ihr Kind nicht weggenommen habe, sie werden ihr Kind spüren und fühlen. Sie bekommen einen kleinen Einblick in die Jenseitswelt und werden mit Ihr sehr innig verbunden sein, weil sie dort jemanden haben, denn sie so sehr lieben. Sie werden wissen, dass ihr Kind trotzdem bei ihnen ist und sie besonders gut beschützt. Sie werden dafür kleine Zeichen bekommen und sie werden eines Tages ein besonderes Geschenk bekommen von mir für ihren Verlust“

Der Engel fragt ganz neugierig: “ Lieber Gott, welches Geschenk denn?“

Gott: “ Wenn es Zeit wird für die Eltern und ich sie zu mir holen werde, dann wird ihr Sternenkind das erste sein, was sie sehen. Sie werden dann zusammen alle Zeit der Welt haben, um das nachzuholen, was ihnen in der Menschenwelt genohmen worden ist. Sie werden diese Zeit ausleben und geniesen ohne Streß, ohne Krankheit, ohne Verpflichtungen. Es wird dann nur noch die Eltern und das Sternenkind geben und sie werden so glücklich sein, wie nie zuvor. Während andere verstorbene Eltern die keine Sternenkinder haben sich noch lange gedulden müssen, bis sie eins ihrer Kinder in die Arme schließen können. Und irgendwann folgen auch die Geschwister und dann ist die Familie für immer vereint.“

Engel: „Ja das ist ein wundervolles Geschenk, die Familie ist für ein Sternenkind sehr geeinet!“

 

– Verfasser unbekannt –