Maximilian

 

Gestern hat mich eine für mich ganz besondere Familie in meinem Studio besucht. Ich habe die Eltern von diesem kleinen süßen Maximilian vor knapp zwei Jahren im Krankenhaus kennengelernt.. Leider unter so traurigen Umständen.. Ich habe in den vergangenen Monaten seit dem Einsatz immer mal wieder an den kleinen Emil gedacht. Er sollte in der 40sten Schwangerschaftswoche geboren werden, alles war bereit zur Einleitung der Geburt. Im Krankenhaus wurde dann leider festgestellt, dass Emils Herz nicht mehr schlägt.. Ein so großer Schock für die Eltern – im festen Glauben ihren kleinen Sohn wenige Tage später nach der Geburt mit nach Hause nehmen zu dürfen.. Fassungslosigkeit und totale Verzweiflung.. Alles war zu Hause vorbereitet.. Es ist so unvorstellbar und der Schmerz ist kaum auszudenken für mich.. Der kleine Emil hatte ganz viele lange schwarze Haare.. genau wie sein großer und nun auch sein kleiner Bruder.

 

Vor einigen Wochen hat sich die Familie bei mir gemeldet.. mir geschrieben, wie wichtig ihnen die Bilder von Emil sind.. eine ihrer wertvollsten Erinnerungen an ihn.. Was mich besonders berührt hat: Die Mama schrieb mir: Wir haben eine Erinnerungstruhe aufgearbeitet und der große Bruder freute sich immer so sehr, wenn er Emils Spieluhr anmachen darf.. Insgesamt bin ich fasziniert und merke ich, wie viel wir von unseren Kindern lernen können, im Umgang mit einem solchen Schicksal. Leon macht das großartig und mit einer selbstverständlichen Leichtigkeit, die einem manchmal fast den Atem raubt aber irgendwie auch schön ist und die Liebe zu seinem Bruder auf seine Art ausdrückt.

Mich berührt es so sehr, weil diese Familie ganz offen mit dem Verlust umgeht.. es tut den Geschwisterkindern gut, dass „darüber“ gesprochen wird.. Ausnahmslos alle Eltern berichten mir das.. und ich möchte euch Mut machen: bezieht eure Kinder mit ein.. auch in eure Trauer.. oftmals geschieht dies nicht… aus einem Schutzinstinkt heraus.. nach dem Motto: Was sie nicht wissen, belastet nicht.. Nur, dass Kinder so sensible Antennen haben.. die Stimmungen ganz besonders wahr nehmen.. und letztlich viel mehr leiden, wenn das Thema Tod ein Tabuthema ist.. Es war so toll zu hören, wie diese Familie damit umgeht.. Danke ihr Lieben, dass ihr mich teilhaben lasst.. Nun möchte ich euch aber den kleinen Maximilian vorstellen.. Diese kleine Zuckerschnute hat uns so oft sein süßes Lächeln gezeigt.. Ich bin dahin geschmolzen <3 Maximilian war zum Zeitpunkt des Shootings „schon“ 4 Wochen alt.. Ich hatte noch nie ein so entspanntes Neugeborenes in dem Alter bei mir.. immer wieder stelle ich fest: Die Geschwisterkinder von Sternchen umgibt ein ganz besonderer Zauber..

Ihr Lieben.. Danke, dass ihr mich besucht habt.. Ich freue mich so sehr mit euch.. Emil wird immer bei euch sein.. er wird euch immer begleiten <3

Amanda

Der Alarm kam gleich morgens um 7 Uhr..

Ein Drillingsfrühgeborenes in der 33 Schwangerschaftswoche wird wahrscheinlich im Laufe des Vormittags versterben. Das Mädchen ist heute 8 Tage alt. Amanda Viktoria.

Welch’ schöner Name..   so schwere Stunden für die Eltern..

Ich rief in der Klink an.. Dort sagte man mir, dass Amanda vor 5 min. eingeschlafen ist.. Ich sprach mich im Forum mit meinen Kollegen ab, ich hatte in der Früh noch einen Termin. Ich konnte ab Mittags übernehmen, meine Kollegin Silke hätte auch ab Mittags gekonnt. Da ich mit meinem Termin schneller fertig war als gedacht, meldete ich mich im Forum, dass ich übernehme und direkt losfahre.  Gedanken an meinen vorherigen Drillingseinsatz gingen mir auf der Fahrt ins Krankenhaus durch den Kopf.. Auch hier hatte es einer der Drei nicht geschafft.. nun schon wieder…

Die liebe Schwester der NEO Intensivstation empfing mich und wir betraten gemeinsam das Zimmer.. da lag sie nun in dem kleinen Bettchen.. sah aus, als würde sie schlafen.. Die Eltern seien im Elternzimmer sagte man mir.. der große Bruder ist auch hier.. er hat die kleine Amanda noch nicht gesehen.. er traute sich nicht.. Nur zu gut konnte ich das verstehen.. Carl ist 8 Jahre alt.. versteht das Wort „Tod“ natürlich.. aber für ein Kind so schwer greifbar.. beide Eltern am Boden zerstört.. Alleine, wenn Eltern viel weinen.. Kinder verstehen es oft nicht, da sie uns Eltern ja in der Regel nicht so erleben..

Den lieben Eltern wurde Bescheid gesagt, dass ich da bin.. und so kamen sie kurze Zeit später ins Zimmer.. mit dem großen Bruder.. der ganz zögerlich zum Bettchen ging.. Er schaut Amanda an.. ich hatte das Gefühl, er wusste nicht wohin mit seinen Gefühlen.. wie auch.. er war von Unsicherheit gezeichnet.. Die Eltern wichen ihm nicht von der Seite.. der Mama liefen Tränchen.. sie streichelte Amanda zart.. hob sie aus dem Bettchen und setzte sich mit ihr auf den Stuhl..

Auch dem Papa liefen die Tränen und er streichelte Carl.. Ich fragte Carl, ob er auch mit auf ein Foto mit seiner Schwester möchte.. Er schüttelte ganz leicht den Kopf.. kaum erkennbar.. Worte konnte er nicht sagen.. Der Papa fragte ihn, ob er zurück ins Wartezimmer möchte.. er nickte.. Carl schaute Amanda an.. streckte seine Hand in ihre Richtung und berührte sie mit einem Finger.. Ich war so gerührt von dieser Situation.. damit habe ich überhaupt nicht gerechnet.. Das er den Mut aufbringen konnte, die Kleine zu berühren.. Ich musste auch eine kleine Tränen wegdrücken und dann nahm ich meine Kamera in die Hand.. Leider zu spät um diese Situation einzufangen.. Carl ging aus dem Zimmer.. Ich war sehr traurig, dass ich nicht schon vorher „bereit“ stand.. aber manchmal brauchen auch wir Fotografen einen Moment, um zu verstehen.. um uns zu sammeln.. Ich fand es aber so mutig von Carl.. er wird sich sicher für immer an diesen Moment erinnern..

Wir fingen an, Familienbilder zu machen.. der Papa fand kaum die Kraft dazu.. Beide Eltern konnten nicht glauben, was da passiert war.. viel zu plötzlich und schnell ging alles..

Was war überhaupt passiert? Die Mama berichtet mir: Warum alles so kam kann uns bis heute niemand sagen.
Wir haben eine traumhafte Vorzeigeschwangerschaft gelebt: keine Beschwerden, kein Liegen, kein Schongang. Ganz im Gegenteil, ich habe mein Leben normal weitergelebt und sogar mein nicht gerade sanftes FitnessTraining bis zum letzten Tag absolviert. Woche für Woche haben wir gehofft es bis über die 30 zu schaffen, dann war 32 das Ziel und mit 33+0 waren wir unsagbar glücklich weil die Drei nicht mal mehr Extremfrühchen waren. In der 34.SSW bei 33+3 hatte Elisabeth scheinbar keine Lust mehr und nach einem Blasensprung am späten Abend wurden unsere drei Musketiere am 26.6. um 1:46 Elisabeth , 1:47 Amanda und um 1:48 Richard geboren. Sie waren allesamt gesund und munter, hatten mit 1700-1800 g ein tolles Gewicht und beste Voraussetzungen. Die Ärzte waren zufrieden und sehr stolz auf uns weil die vollendete 33.SSW doch schon viel für Drillinge ist.

Niemand ahnte, dass das Schicksal einen so traurigen Plan hatte und das Blatt wenden würde. Speziell nachdem wir so weit gekommen waren!

Was genau passiert ist….wenn wir das nur wüssten. Ich wurde am Montag aus der Behandlung entlassen, unsere drei Musketiere waren allesamt keine Intensivfälle mehr und ich hätte mit gutem Gewissen gehen können. Aber irgend etwas war komisch, da war so ein Gefühl…. Direkt Dienstagmorgen erhielten wir den Anruf, dass Amanda operiert werden müsste, dringend. Wir sind natürlich sofort losgefahren und haben uns alles genau erklären lassen. Es hieß, sie habe einen festen Bauch und würde grau werden, der genaue Grund läge wohl im Verdauungstrakt und kann nur beim Hineinschauen in den Bauch lokalisiert werden. Wir haben ihr gerade noch rechtzeitig auf dem Weg in den OP viel Kraft wünschen können, lag sie doch schon vorbereitet im Transportinkubator.

Jan musste dann los, Carl von der Schule abholen und das Wichtigste im Büro erledigen während ich blieb. Am frühen Nachmittag die Nachricht, dass Amanda die OP gut überstanden hat, sie stabil ist und „nur“ ein Teil des Dickdarms entfernt werden musste. Sie wird also höchstwahrscheinlich keinerlei Beeinträchtigung in ihrem späteren Leben haben werden und es wäre auch noch soviel Darm vorhanden um den künstlichen Ausgang wieder zurück verlegen zu können. Welch gute Nachricht in diesen angstvollen Stunden. Jan und Carl holten mich an späten Nachmittag ab und wir gingen mit guter Hoffnung, dass unser kleines Mädchen ihrem Namen alle Ehre macht und kämpft.

Als wir am späten Abend anriefen um uns nach ihr zu erkundigen, entschuldigte sich der Arzt dass er sich bisher nicht melden konnte, aber er hätte die letzten 2 Stunden um ihren Kreislauf gekämpft. Er hätte sie wohl aber abgefangen und man müsste nun schauen. Die nächsten Stunden bangten und zitterten wir, an Schlaf nicht zu denken. Gegen 4 Uhr dann der alles verändernde Anruf….wir sollten uns auf den Weg machen…..Wir wussten was das hieß… In der Klinik angekommen, erzählte uns der Arzt, dass Amandas Organe nach und nach versagten und man nicht sagen könne, wie lange ihr nun noch bliebe….es könnten Stunden sein aber auch nur noch Minuten. Wir waren bei ihr, hielten ihre Hand und streichelten sie bis ihr Herz um kurz vor 7 Uhr aufhörte zu schlagen.

… und um kurz nach 7 Uhr rief ich in der Klinik an… nichts ahnend, was die liebe Familie gerade durchgemacht hat..

Die Mama wünschte sich noch Bilder von ihr und Amanda.. ich erfüllte ihr diesen Wunsch..

… was mich besonders berührt hat, war die Situation mit Amandas großen Bruder Carl und auch folgende.. Als Amanda in ihrem Bettchen lag, machten wir u. a. auch Bilder von ihren kleinen Füßen und ihren Händen.. Ich legte Amandas Hand auf die Hand der Mama.. die Hand vom Papa dazu.. als wir fertig waren, nahm der Papa sein Hand weg.. Amandas Mama aber konnte die Hand nicht lösen.. sie beugte sich über ihre Tochter.. streichelte sie sanft.. bewegte sich kaum.. nur ihre Finger streichelten leicht und sanft den Kopf.. immer wieder tropften Tränen herunter.. diese Stille.. diesen Schmerz.. noch immer kann ich ihn in mir fühlen..

Eine kleine Ewigkeit hat es gedauert.. ich gab der Mama alle Zeit, die sie brauchte.. alle Zeit der Welt würde zu wenig sein.. das wusste ich.. und während ich das hier schreibe, kullert mir erneut eine Träne runter.. noch immer fühle ich diese Situation so doll..

Später verabschiedete ich mich.. sagte den Eltern, dass sie sich soviel Zeit nehmen sollen, wie sie brauchen.. Im Wissen, dass die Station es möglich macht.. Dieser liebevolle Umgang mit den Sternenkindern im UKSH Kiel berührt mich jedesmal aufs Neue.. Danke ihr Lieben.. ich glaube, ihr wisst gar nicht, was es den Eltern bedeutet.. auch wenn sie es in diesem Moment gar nicht realisieren können..

Heute ist dieser Einsatz über 8 Wochen her.. seitdem bin ich mit der Mama im Kontakt..

Nachdem die Eltern meinen Umschlag mit den Bildern, mit dem Buch für Carl und einem Brief von mir erhalten haben, schrieb die Mama:

Zu allererst möchte ich dir noch einmal für dein Dasein danken! DU hast uns Erinnerungen geschenkt, die uns niemand mehr nehmen kann und warst dabei so rührend und liebevoll. Wir wissen, dass solch traurige Schicksale auch an dir nicht vorüber gehen und es ist phantastisch, dass es Menschen wie dich gibt <3
Der Umschlag ist gestern angekommen und wir haben ihn auch schon geöffnet….alles so liebe- und würdevoll, dass mir schon wieder die Tränen kommen. Derzeit schaffen wir es noch nicht uns Amandas Bilder anzusehen, aber es ist gut zu wissen, dass wir dies jederzeit tun können – dank dir!
Das Bild, das du mir geschickt hast ist wundervoll! Ich weiß gar nicht, wie ich dafür danken kann. Worte reichen kaum aus um zu beschreiben, wie sehr wir die Mühe und Arbeit, das Engagement und der Wunsch uns Gutes zu tun von uns geschätzt werden.

Tausend Dank für alles <3

Darum tun wir das.. es ist so wichtig, dieses Bilder zu haben ihr Lieben.. und auch wenn sie noch lange im Umschlag liegen.. Es ist so wichtig, diese Erinnerungen einzufangen.. für sofort.. für in ein paar Tagen.. für in ein paar Wochen.. oder gar Jahren.. wenn der Wunsch kommt, sie anzusehen.. dann sind sie greifbar nah..

Liebe Tanja,

heute habe ich mir das erste Foto unserer Amanda angesehen – sie ist so wunderschön gewesen und ich bin dir aus tiefstem Herzen dankbar, dass du uns diese Erinnerung an sie geschenkt hast!

… so viel Kraft wird es gekostet haben.. Ihr lieben.. ich denke noch oft an euch.. und als ich vor ein paar Tagen auf Station war, hab ich gefragt, ob ihr da seid.. leider nicht.. wir hatten uns gerade verpasst.. gerne hätte ich euch nochmal gedrückt.. und euch gesagt, wie sehr ich euch wünsche, dass ihr eure Zwei ganz bald mit nach Hause nehmen dürft..

Vor 4 Wochen schrieb sie mir:

Es ist so unfassbar, ungreifbar, unveränderlich. Genau heute ist es einen Monat her, dass
sie uns verließ. Der Schmerz, die Trauer und die Ungerechtigkeit des Schicksals holt uns immer wieder ein – ganz unverhofft, wann immer das Leben es will.

Gestern las ich einen Spruch:

Es geht nicht ums Leben, sondern ums Überleben. Genau das ist es gerade!

 

.. ja.. so sehr kann ich das nachempfinden.. besonders schwer fällt den Eltern der tägliche Besuch von Richard und Elisabeth.. auf der einen Seite die Freude auf die Kindern.. die Angst, die sie begleitet.. das Klingeln auf Station.. die Gewissheit, dass nur noch zwei ihrer Babys auf sie warten.. jedes Klingeln an der Tür kostet Kraft uns Überwindung und immer ist die Erinnerung dabei….

In den letzten Tagen durften die lieben Eltern endlich Amandas Geschwister nach Hause holen.. Ich freue mich so sehr mit ihnen.. Mittlerweile weiß man auch, warum sie gestorben ist.. es gibt die Gewissheit, dass keiner etwas tun konnte.. Die Ärzte haben alles getan, was möglich war.. Amanda hatte bei der Reise ins Sternenland keine Schmerzen.. der Gedanke ist ein wenig tröstlich..

Ich danke euch, dass ich eure wunderhübsche Tochter Amanda kennenlernen durfte..

Amanda bedeutet, die, die geliebt werden muss.. und ich glaube, sie wird auch immer einen Platz im Herzen ihrer Geschwister haben, auch wenn sie sich nicht an sie erinnern können.. Ich glaube, besonders Elisabeth wird eine ganz besondere Verbindung zu ihrer Schwester haben.. und ich bin mir sicher, dass die Bilder von ihr beiden Geschwistern eine greifbare Erinnerung geben werden.

<3

Sternenkind Titus

Titus

 

 

Die Alarmierung kam am späten Abend.. Titus. 8 Tage alt.

Ich las: Die Eltern wünschen Fotos vor dem möglichem Versterben des Kindes.

Ich rief in der Klinik an und erfuhr, dass der Kleine zur Zeit beatmet wird, sein Zustand im Moment stabil sei. Man weiß nicht, ob die große Schwester mit dabei sein soll.. Die Eltern haben gerade die Klinik verlassen…

Am nächsten Tag bin ich nach Rücksprache mit der Klinik in die Uni gefahren. Der kleine Titus lag im Inkubator, allerdings wurde er nicht gewärmt, sondern gekühlt.. Er bekommt immer wieder Fieber erfahre ich.. Der arme kleine Kerl…

Was war passiert?

Die Mama berichtet:

„Es gab nie Probleme während der Schwangerschaft. Ich machte mir gegen Ende der Schwangerschaft ein wenig Sorgen weil ich deutlich runder war als bei unserer Tochter, als ich den Arzt beim letzten großen Ultraschall in der 34.SSW fragte, ob er denn irgendwie übermäßig groß wäre, da meinte der nur: „Dass das kein winziges Baby wird, das sieht man schon am Bauch, aber Gewichtsprognosen, ermessen am Ultraschall Bild sind eh immer sehr ungenau und deswegen mache er das gar nicht. Zwei Wochen vor dem errechneten Geburtstermin stellten wir uns in der Klinik vor, die Ärztin dort schätzte ihn auf 3800g. Ich dachte mir, dass sind 300g mehr als Talina das kriegen wir schon hin, ist ja das zweite Kind, die flutschen doch so raus.

Aus dem Grund habe ich mich auch für die Klinik hier vor Ort entschieden.. Hätte ich gewusst, was passiert.. ich wäre gleich ins UKSH gefahren.

Woche nach dem errechneten Stichtag ging es denn endlich los. Vorher waren wir schon 2x mit Fehlalarm in der Klinik gewesen und konnten wieder nach Hause fahren. Ich war so froh und konnte es kaum erwarten. Ich hatte wirklich genug von den Wassereinlagerungen in meinen einst schlanken Füßen und Beinen. Von dem überdimensionalen Bauch ganz zu schweigen. Ich war motiviert, hielt die Schmerzen auch erst gut aus und als die Schmerzen zu stark wurden bekam ich eine PDA und alles war gut.

Ich war bereit.

Die Presswehen setzten ein und ich gab mein bestes, aber als sein Kopf endlich draußen war passierte trotz all meinen Bemühungen nix mehr. Er steckte mit der Schulter fest und wollte einfach nicht raus kommen.

Schulterdystokie ein seltener Notfall während einer Geburt.

Ich habe noch nie davon gehört, war nur fassungslos, das schon wieder eine Geburt so schwierig für uns wird. Die große Schwester kam vor 3 Jahren mit der Nabelschnur um den Hals auf die Welt. Sie musste direkt nach der Geburt versorgt werden, Papa durfte nicht mal die Nabelschnur durchschneiden, es musste schnell gehen. Sie musste die Nacht in einer anderen Klinik auf der Intensivstation verbringen. Jetzt 3 ganze Jahre später das gleiche Szenario. Nachdem die Hebamme inklusive Oberarzt gerissen und gezogen hatten war er endlich draußen.

Stille.

Wieder kein Schreien, wieder durfte Papa nicht die Nabelschnur durchschneiden. Ich brach in Tränen aus, das konnte doch nicht schon wieder passieren.

Aber von Titus kam auch nach Minuten kein Ton.

Sie belebten ihn wieder. Erfolgreich. Doch auch er musste verlegt werden auf die Intensivstation ins UKSH Kiel. Ich blieb in der anderen Klinik. So war ich nah zu Hause.. aber so weit weg von meinem Baby. Es zerriss mir das Herz. .

Doch auch er musste verlegt werden auf die Intensivstation ins UKSH Kiel. Wieder die erste Nacht als Mama und Papa ohne Baby. Am nächsten Tag konnte Papa diesmal allerdings nicht los und Titus abholen, weil alles wieder gut war wie bei der großen Schwester. Nein. Titus konnte nicht nach Hause. Ich wurde aus der Klinik entlassen und in der Uni in Kiel bei meinem Sohn wieder aufgenommen. Wir sprachen mit dem Arzt der uns sagte, dass Titus unter der Geburt gute 15min nicht mit Sauerstoff versorgt worden ist und sie ihn nun auf der Intensivstation in einen komatösen Zustand versetzt und auf 33,5 Grad Celsius Körpertemperatur runter gekühlt haben. Das beste, was man machen kann um den Gehirnschaden nicht zu verschlimmern und dem Gehirn die Möglichkeit zu geben, sich so weit es geht zu regenerieren. In 72 Stunden würden sie ihn langsam erwärmen, dann wissen sie mehr. Momentan sei keine Prognose möglich, man müsse gucken, wie es ist, wenn er wach ist.

Ein Schlag ins Gesicht – aber ich blieb positiv. Meine Gedanken: Er wird bestimmt nur ein bisschen Ergotherapie brauchen in seinem Leben. Vielleicht irgendwann ein bisschen Sprachförderung, was soll schon schlimmes passiert sein. Montag waren die 72 Stunden um, unser Kind war warm. Ich werde nie vergessen, wie der Arzt zu mir kam um mir zu sagen, dass sich an seiner Gehirnaktivität leider nix getan hat. Es ist kaum was da, er hatte gehofft es würde mehr werden, aber das ist es leider nicht. Man könnte nochmal abwarten, bis die Sedierung aus seinem Körper raus war, aber wir müssen uns darauf vorbereiten, dass Titus niemals aufwachen wird und es nicht gut für ihn aussieht.

Unsere Welt brach zusammen. Das konnte doch nicht sein. Mein gesundes Kind doch nicht. Es war doch die ganze Schwangerschaft alles in Ordnung gewesen. Ich wollte entlassen werden, ich konnte nicht mehr im Krankenhaus bleiben. Wir besuchten ihn gleich am nächsten Tag. Er lag immer noch da.. beatmet, an Kabeln und Schläuchen – alles unverändert. Abends fuhren wir nochmal zu ihm. Der schlimmste Tag bis dahin. Er hatte einen sehr hohen Puls, 40 Fieber. Sein Blutdruck schoss auch in die Höhe und der Druck in seinem Gehirn war auch zu hoch. Er litt, man sah es ihm an, obwohl er sich nicht bewegte oder Geräusche von sich gab.

Dienstagabend dachte ich, ich würde ihn verlieren. Papa und ich weinten, ich hatte ihn noch nicht mal auf dem Arm gehabt. Die Nachtschwester meinte, es wäre kein Problem wenn ich ihn halten möchte, dann dürfte ich das. Sein Arzt kam trotz der späten Stunde auch noch, um mit uns zu reden.Alle im UKSH kümmerten sich toll um uns. Wir fühlen uns gut aufgehoben und wusste: Alles, was möglich ist, wird für Titus getan.. Trotzdem: Das alles sorgte nur dafür, dass ich mir mittlerweile sicher war mein Kind würde diese Nacht noch sterben. Trotzdem fuhren wir irgendwann nach Hause und hofften, dass die Klinik nicht anrufen würde. Der Anruf kam nicht. Am nächsten Tag war alles wieder beim alten und wir schöpften neue Hoffnung. Wenn er das schaffte, konnte er sich auch ganz zurück ins Leben kämpfen. Die Ärzte wollten ein großes EEG mit mehr Ableitungen machen. Zusätzlich zur Dauerüberwachung um zu sehen ob nicht doch etwas in seinem kleinen Kopf funktioniert.

Wir besuchten ihn jeden Tag 2 Mal. Einmal Vormittags und einmal Abends, wenn die große Schwester im Bett war. Ich redete mir ein, meine Mutterliebe würde schon helfen.

Als wir das Ergebnis vom EEG bekamen wusste ich, dass meine Liebe leider nicht half. Titus zeigte auch da kaum Ausschläge und man muss davon ausgehen, dass er sich niemals entwickeln wird und für immer auf Kabel und Schläuche angewiesen ist.
Mein Herz zerbrach in 1 Millionen Teile. Warum wir? Warum ausgerechnet mein Kind? Der große 4,7kg schwere Titus, der so fehl am Platz ist auf einer Intensivstation voller Frühchen.
Sein Arzt schlug vor Anfang der nächsten Woche noch ein MRT zu machen, damit wäre denn alles an Diagnostik für ihn ausgeschöpft. Wir wussten alle, es würde nix an seinem Schicksal ändern.. aber auch ich brauchte dieses MRT für das Gefühl alles getan zu haben“.
An diesem Abend kam der Alarm und ich telefonierte mit der Klinik. Titus war zu dem Zeitpunkt 8 Tage alt.

Als ich am nächsten Tag im Krankenhaus ankam begrüßten mich die Schwestern ganz lieb.. Man kennt sich halt.. Viel zu oft sind wir dort.. Ich betrat das Zimmer in dem Titus lag. Er schlief in seinem „Bettchen“ und seine Eltern schauten ihn an.. Wir begrüßten uns und ich sagte ihnen, wer ich bin.

Da lag er nun.. der kleine große Titus. Von oben bis unten verkabelt.. Er hatte ganz viel dunkle Haare, das ist mir als erstes aufgefallen. Ich begann sein Gesicht zu fotografieren.. die Hände.. die Füsse.. Titus reagierte teilweise auf unsere Berührungen.. Die Eltern wünschten sich Kuschelbilder und zu zweit hoben die Schwestern ihn langsam auf den Arm der Mama. So viele Kabel mussten gesichert werden.. Es dauerte etwas, bis eine für Titus gute Position gefunden werden konnte.. er wurde ja weiter beatmet.. alle Schläuche blieben natürlich dran.. der Papa küsste ihn sanft.. die Mama streichelte ihn.. ich hielt alles in Bildern fest..

Die Mama berichtete mir vom bevorstehenden MRT… Sie muss – wie sie schon oben geschrieben hat – das Gefühl haben auch wirklich alles getan zu haben.. möchte sicher gehen.. und wie befürchtet, bestätigte das MRT die Diagnose.. Sein Großhirn hat einen zu großen Schaden genommen.. sein Kleinhirn funktionierte noch in Teilen.. darum hat er auf unsere Berührungen reagiert..

Wieder Stille.. und die Frage… warum?

Die große Schwester hatte Titus noch nicht gesehen. Talina ist drei und darf nicht auf die Intensivstation. Wir sprachen über den „Fall der Fälle“… Ich ermutigte die Eltern Talina die Chance zu geben ihren kleinen Bruder kennen zu lernen. Wie sonst soll sie verstehen, was passiert ist.. Mama hatte ein Baby im Bauch und auf einmal ist es weg.. er wird für sie nie dagewesen sein.. Ich berichtete von meinem Einsatz bei dem kleinen Joshua.. und die durchweg positiven Erfahrungen, die die Eltern gemacht haben.. Talina habe große Angst vor Ärzten.. vor Krankenhäusern.. Ich sagte, vielleicht können wir uns sonst in dem Warteraum treffen. Es wird sicher eine Möglichkeit geben.. Sie wollten drüber nachdenken..

Ich verlies die Klinik später mit ganz gemischten Gefühlen.. es bestand kaum Hoffnung.. aber schon mehrfach haben wir Wunder erlebt.. Ich habe so sehr gehofft, dass auch Titus ein Wunder sein wird..

Anfang der Woche habe ich mit dem Papa geschrieben.. Man wartet auf die Ergebnisse.. Dienstag oder Mittwoch sollen sie vorliegen..

Ich hörte die Woche über nix mehr.. Ich hatte so große Hoffnung.. Dann am Freitag sah ich schon die Nummer der NEO… Titus ist gerade eingeschlafen – die Eltern haben gesagt, wir sollen dich sofort anrufen…

Leere..

Nun doch..  Es hat mich sehr traurig gemacht..

Ich hatte zum Glück Zeit und habe mich direkt auf den Weg gemacht. Die Mama saß mit Titus im Arm auf dem Sessel.. Ich ging zu den beiden… streichelte Titus.. sagte der Mama Hallo und drückte sie.. so schwere Minuten..
Titus sah ganz friedlich aus.. ganz anders.. so ohne Schläuche.. so ein hübscher Junge.. es ist einfach nicht zu verstehen.. Ich streichelte ihn erneut, die Mama berichtete mir:

Das MRT brachte wie zu erwarten keine positive Wendung. Wir konnten es aber nicht mehr ertragen ihn so leiden zu sehen, also beschlossen wir Titus am Ende der Woche zu erlösen. Seine ganze Familie nahm sich die Zeit ihn zu besuchen und sich zu verabschieden: Omas, Onkel, Tanten so schwer es auch fiel alles wollten ihn kennenlernen. Wir überlegten lange, was wir mit Talina machen sollten. Würde sie mit ihren 3 Jahren verstehen, was wir von ihr wollen? Wenn wir ihr die Situation um ihren Bruder erklären? Soll sie ihn kennenlernen? Nachdem mein Mann mir erzählte, er erinnere sich noch daran wie er mit 3 seinen kleinen Bruder im Krankenhaus besucht hat ,als er geboren wurde, war klar: Ja Talina soll und muss ihn kennenlernen!! Die Woche ging zu Ende und Freitag den 27.07 genau 2 Wochen und 1 Tag nach seiner Geburt schlief unser kleiner großer tapferer Kämpfer bei mir auf dem Arm für immer ein. So friedlich und entspannt: Ich bin mir sicher, die richtige Entscheidung getroffen zu haben.

Die Mama sagte, dass Talina im Wartezimmer ist und gerade geholt wird.. sie hat Titus noch nicht gesehen..

Welch’ bewegender Moment. Der Papa kam mit Talina auf dem Arm ins Zimmer. Sie hatte in der einen Hand ihren Kuschelhund und in der anderen zwei große Luftballons.. einen blauen für Titus und einen rosafarbenen für sie.. der Papa stelle sich zu uns und Talina schaute unsicher abwechseln zu Titus.. dann wieder zu mir.. Sie kannte uns beide ja nicht.. Wollte aber auch nicht zu Mama und Titus auf den Arm.. Dann fingen wir einfach an zu erzählen.. Ich sagte: „Talina, hast du schon gesehen, dass Titus auch eine Nase hat?“ … sie schaute interessiert ihren Bruder an.. der Papa kniete sich hin.. „Talina, wo ist denn deine Nase?“ .. sie zeigte auf ihre.. „.. und die vom Papa?“ .. sie zeige auf Paps Nase.. „und von Titus?“ … Talina beugte sich vor und zeigte mit ihrem Finger auf Titus Nase.. da war das Eis gebrochen.. sie berührte sein Hand.. seine Haare .. seine Füsse.. ich war so berührt von dieser Situation.. Ich hielt alles in Bildern fest.. schon bald schaute sie nicht mehr bei jedem klicken der Kamera zu mir.. Wir erzählten einfach weiter.. Machten Späße mit Talina.. sie sollte diese Momente in schöner Erinnerung behalten.. so merkwürdig es klingen mag, aber Kinder gehen ganz anders mit dem Tod um, als wir Erwachsenen. Sie wissen nix von dem Verlust.. von dem Schmerz der da ist.. da liegt der Bruder auf dem Arm der Mama.. und sie sieht ihn das erste Mal.. lernt ihn ein bisschen kennen.. berührt ihn.. es gibt nur diese eine Chance… Viele glauben, es den Kindern nicht „antun zu können“…. sie vor dem Schmerz beschützen zu wollen.. Aus meiner Sicht ist die Leere später ein viel schlimmerer Schmerz.. und Talina wird verstehen, warum Titus nicht mit nach Hause kommen kann.. aber sie hat gesehen, dass er da war.. kann verstehen, warum Mama und Papa auch mal weinen.. wie sonst begreift ein Kind das?
Ich habe mich so gefreut, dass die lieben Eltern sich zu diesem Schritt gewagt haben.. Es wird für Talina so wichtig sein.. Wir haben dann auch noch alle Finger gezählt.. alle Zehen.. und Talina hat gesehen.. er hat genauso viele wie sie 🙂

Die Mama schrieb mir: “Talina durfte ihren Bruder kennen lernen.. Momente so bittersüß ich werde sie niemals vergessen”.

Später haben die Eltern Talina dann erzählt, dass sie Titus leider nicht mit nach Hause nehmen können..

Ich habe dann Titus alleine fotografiert. Auch er hat ein Herzchen bekommen.. eines, dass er immer bei sich behalten wird.. das andere haben die Eltern für immer bei sich.. eine kleine Verbindung zwischen ihnen..

Ich habe mich dann zeitnah von der lieben Familie verabschiedet.. sie sollen die kurze gemeinsame Zeit noch alleine erleben.. Ich bin nach Hause gefahren und habe meinen inneren Frieden mit mir gefunden.. Ich bin so stolz auf die Eltern, dass sie den Mut gezeigt haben.. Titus sah so friedlich aus.. und Talina hat die Momente ganz, ganz großartig gemeistert.. Verstehen wird sie es … später.. irgendwann..

Heute – gut eine Woche später – berichtete mir die Mama:

Talina spricht viel von Titus… Immer mal wieder… sie hat auch gefragt ob wir ihn mit in Urlaub nehmen, das ist natürlich manchmal ein bisschen hart für uns wenn wir immer aufs Neue erklären müssen, dass das nicht geht. Titus mussten wir ja beerdigen, er wohnt jetzt bei den Sternen. Aber sie guckt sich die Bilder immer wieder an und erzählt heimlich ihrem Plüschtier Mini Bo von ihm, wenn sie denkt wir hören nicht zu <3

… und das ihr Lieben… das bewegt mich sehr.. denn Talina fängt so an zu verarbeiten.. Ihr glaubt nicht, wie froh ich bin, dass die lieben Eltern diesen Mut aufgebracht haben..

Gute Reise kleiner Titus… Grüße die anderen kleinen Sternenkinder lieb von mir…

 

 

 

 

 

 

 

 

Zoey am Strand

Freundschaft ist die reinste und höchste Form der Liebe. Es ist eine Form der Liebe ohne Bedingungen und Erwartungen, bei der man das Geben an sich genießt.
Osho

 … und diese Liebe spürt man jede Minute … 

Gestern durfte ich mit der kleinen Zoey einen Abend am Strand verbringen.. Es ist so toll, die Kleine aufwachsen zu sehen.. Denn Zoey hatte keinen leichten Start ins Leben.. Sie wurde in der 27+4 SSW per Notkaiserschnitt aufgrund eines HELLP-Syndroms der Mama in der UNI Klinik Kiel geboren. Sie wog zarte 850 Gramm und war 35 cm groß. Heute ist sie knapp 5 Jahre alt und so ein liebenswertes und aufgewecktes kleines Mädchen 

Es war so schön mit euch.. 

.. Was empfindet ihr beim Anblick dieser Bilder? Auch so viel Liebe?

Neo und die Melonen

… was für ein Spaß… der kleine Neo liebt Melonen und was liegt da näher als dies in Bildern festzuhalten .. Es war ein so entspanntes Shooting, nur als er die Melone zum Umziehen kurz abgeben musste.. ja, da hat er geschimpft wie ein kleiner Rohrspatz 🙂

 

 

Cake Smash Shooting

.. Ich liebe Kuchenshootings… und wenn von der Torte am Ende kaum noch was übrig bleibt… dann haben wir alles richtig gemacht 🙂

Lönne

Ihr Lieben…

am Sonntag wurde ich zu einem ganz besonderen Einsatz gerufen.. Vor 3 Wochen wusste ich von der Klinik, dass Zwillinge geboren wurden. Dem einen geht es gut, dem Bruder leider nicht. Sie wüssten nicht, wie es sich entwickelt.. wollten uns aber schon mal Bescheid geben.. Der Anruf kam von der Neo Internsiv des UKSH in Kiel.. Ihr Lieben dort.. ihr macht einen so großartigen Job.. 

Mit der Info habe ich erst mal meine Kollegen benachrichtigt.. mehr wusste ich nicht.. war auch erst mal nicht nötig, denn wir organisierten uns für die kommenden Tage..

Als ich einige Tage später zu einem anderen Einsatz in den Kreißsaal gerufen wurde, habe ich danach die Neo besucht und nach dem kleinen Jungen gefragt.. Dort sagte man mir, er wird beatmet. Man weiß noch nicht, wie es weitergeht..

Ohne ihn.. ohne die Eltern zu kennen.. mir blieb dieses Gespräch auf dem Flur noch lange in Erinnerung, denn ich habe mich in das Gefühl der Eltern versetzt.. Wenige Meter neben dem Zimmer lag der gesunde Zwillingsbruder.. Ein Pendeln zwischen Bangen und Hoffen.. zwischen Freude und Glück.. zwischen Verzweiflung und Hilflosigkeit..

5 Tage später war ich leider schon wieder im Kreißsaal.. und wieder habe ich an den kleinen Jungen gedacht.. Ich stand nach meinen Einsatz am Fahrstuhl und als die Tür der Neo gerade aufging sah ich eine liebe Schwester, die schon einige Einsätze auf dieser Station mit mir zusammen begleitet hat. Ich fragte erneut, wie es dem Kleinen geht und sie schüttelte nur mit dem Kopf und sagte traurig.. nicht so gut.. es wird bald entschieden, wann die Geräte abgeschaltet werden.. oh man.. so traurig.. Ich fragte, ob der Bruder auch noch hier ist.. ja.. das ist er, sagte sie…

Die Beiden sind am 19.01. in der 34 SSW geboren und auch er musste natürlich noch versorgt werden.

Ich bat sie, den Eltern vorzuschlagen die beiden Jungs auch zusammen zu fotografieren.. Soforn es mit dem Gesunden möglich ist.. Dann habe ich mich mit einem Kloß im Hals verabschiedet.. Wieder waren meine Gedanken bei den Eltern.. bei dem kleinen Jungen..

Am Sonntag rief mich die Klinik erneut an.. heute sollte es soweit sein.. die Geräte werden abgeschaltet und die Eltern wünschen sich auch Bilder mit Beiden zusammen.. Ich hatte ja schon mal berichtet, dass dieses „Warten“ ganz schlimm ist.. zu wissen, dass der Anruf kommt.. aber nicht wann.. Es ist was anderes, wenn ein Alarm eingeht, man entscheidet, ob man los kann und direkt fährt. Keine Zeit zum Überlegen. Tasche packen.. los…

Ich habe auch meine Tasche gepackt.. aber ganz in Ruhe.. habe drei Herzen rausgesucht.. nicht zwei.. denn der kleine gesunde Bruder sollte auch für später ein Herz haben.. Eines für die Eltern.. eines für den kleinen Lönne.. nun wusste ich auch seinen Namen.. Lönne.. was für ein schöner Name..

Die Tasche stand im Flur und ich habe gewartet.. es war um die Mittagszeit.. die Eltern waren nun da.. immer wieder kreisten meine Gedanken um den bevorstehenden Einsatz. … der Bruder darf mit auf die Bilder.. mein erster Einsatz mit Zwillingen, wo es einer geschafft hat.. und der andere die Kraft nicht hatte.. Ich hatte keine Sorge, was das Fotografieren angeht.. Ich habe hier bei mir zu Hause schon einige Zwillinge fotografiert.. aber die Emotionen, die dran hingen.. ihr Lieben.. ihr könnt euch sicher vorstellen, wie ich mich gefühlt habe..

Am frühen Abend dann der Anruf: um17.30 Uhr kann ich in der Klink sein.. der kleine Lönne ist eingeschlafen.. er wird nun noch gewaschen.. angezogen.. ich kann mich langsam auf den Weg machen..

In der Klinik angekommen musste ich noch einige Minuten warten, bis ich in das Zimmer der Familie durfte..

Ganz lieb begrüßte mich die Mama und die Oma des kleinen Lönne. Sie standen beide am Bettchen und schauten den so hübschen Jungen an.. Sie lächelten mich an.. eine ganz besondere Stimmung im Raum.. Ich streichelte ihn.. und sagte glaub ich sowas wie: ach Kleiner.. was machst du denn für Sachen.. ich weiß es nicht mehr genau.. die Mama erzählte mir kurz, was passiert ist

Bei einem ganz normalen Routine Ultraschall wurde vermutet, dass Lönne unter Blutarmut leidet. Die Beiden wurden sofort auf die Welt geholt. Doch, schreibt die Mama, es kam alles anders.. Lönne hat bereits im Mutterleib einen schweren Hirnschaden erlitten.. durch Sauerstoffmangel.. Wann und wieso.. das weiß keiner.. Diese Frage wird wohl immer offen bleiben…

Ich fragte die Mama: Er ist friedlich eingeschlafen oder? .. Ja, sagte sie.. ganz, ganz friedlich.. denn so sah er auch aus.. wie schlafend.. so wunderhübsch..

Dann betrat der Papa, mit einem kleinen Bündel Mensch auf dem Arm, den Raum.. Linus.. der gesunde Bruder.. Ich begrüßte den Papa, sah Linus an uns sagte.. die Beiden sehen sich aber ähnlich.. Ja, sagte die Mama.. sie sind eineiig.. und schon wieder hatte ich einen riesen Kloß in meinem Hals.. nicht, dass es die Situation noch schlimmer gemacht hätte.. nein.. das macht keinen Unterschied.. aber ich dachte an den gesunden Bruder.. an später.. an dieses unsichtbare Band, welches die Beiden noch stärker als andere Zwillinge verbindet..

In der Klinik fiel es mir nicht sofort auf.. aber beim Bearbeiten der Bilder.. die Haare.. der Verlauf.. 100%ig gleich.. eineiig halt.. Lönne hat durch die Situation der vergangenen zwei Wochen Wassereinlagerungen, die auch im Gesicht erkennbar waren. Dadurch wirkte er kräftiger als sein Bruder.. und trotzdem.. eine Schnute die Beiden..

Ich sagte den Eltern, dass ich nun anfange zu fotografieren.. dass ich sie mit einbeziehen werde.. dass sie mir sagen sollen, wenn sie irgendwas nicht möchten.. oder sich ganz bestimmte Bilder wünschen.. ja.. die beiden auch zusammen.. so gerne erfüllte ich ihnen auch diesen Wunsch..

Ich begann, Lönne alleine zu fotografieren.. gab die Herzen und erklärte ihnen die Bedeutung.. Die Eltern und die Oma waren sehr gerüht.. Welch schöne Idee sagte die Oma.. ja.. das ist sie .. und ich möchte mich hier nochmal von ganzem Herzen bei allen bedanken, die diese Herzen für uns gefertigt haben.. ihr macht genau diese Gefühle möglich .. und helft so den Eltern, die wissen… eines der Herzen ist für immer bei ihrem Sternenkind.

Ich bezog die Eltern mit ein.. fotografiere die Hände mit Lönnes Hand.. wie sie sanft ihre Hände auf sein Köpfchen legten.. schützend.. über ihn.. so ein rührendes Bild..

Dann legten wir Lönne ganz sanft auf die Matratze .. Vorsichtig nahm ich dem Papa den kleinen Linus ab und in dem Moment wo ich ihn neben Lönne gelegt habe.. ich bekomme gerade wieder am ganzen Körper Gänsehaut.. in dem Moment hat Linus uns sein Engelslächeln gezeigt.. ganz lang.. dass ich es noch geschafft habe, schnell meine Kamera zu schnappen und ein leichtes Grinsen einfangen konnte..

Ihr Lieben.. die beiden waren 34 Wochen zusammen im Bauch und nun nach der Geburt das erste Mal wieder zusammen.. ganz dicht.. und ich glaube Linus wollte Lönne zeigen.. alles wird gut.. Ich weiß, dass es dir gut geht, da wo du nun bist..

.. das erste Mal zusammen… das letzte Mal zusammen..

.. ich brauchte etwas.. bis ich das für mich klar hatte.. auch zu Hause habe ich da immer wieder dran gedacht.. ein unsichtbares Band.. welches Beide verbindet.. er hat gelächelt.. sah so zufrieden aus.. das werde ich nie vergessen…

.. wisst ihr.. ich bin so dankbar für meine Aufgabe, die ich machen darf.. ja.. es ist schwer.. die Gefühle der Eltern.. der Familie.. ich trage viele, viele Einsätze immer noch mit mir.. aber ohne Schmerz.. Denn ich habe die ganz besondere Ehre, dass ich die kleinen Sternchen kennenlernen darf.. und oft bin ich – neben den Eltern und dem Krankenhauspersonal – die einzige, die dieses kleine Kind sehen.. es kennenlernen.. ihm eine gute Reise wünschen darf.. Ich weißt nicht, ob das nachvollziehbar ist.. Es ist schon was ganz Besonderes.. Immer getragen von dem Gedanken, den Eltern diese für sie so wertvollen Erinnerungen zu schenken..

.. er hat gelächelt.. was für ein Moment.. ein Tränchen steigt auf, wenn ich daran denke..

Ich fotografiere die Zwei zusammen, bis ich dann Linus wieder in den Arm des Papas gelegt habe.. und Lönne in den Arm der Mama…

Schwer fiel mir der Abschied.. und ich wusste.. daran werde ich noch sehr lange denken..

Die Mama berichtete mir, dass sie immer meine Berichte gelesen hat.. und nie gedacht hat, selbst mal in so eine Situation zu kommen.. Sie erlaube mir, von diesem für mich so besonderen Einsatz zu berichten.. um aufzuklären.. um bekannt zu machen, dass es uns gibt.. uns ehrenamtliche Fotografen von Dein Sternenkind.

Linus darf mittlerweile bei seinen lieben Eltern zu Hause sein.. und bei seinen Geschwistern.. und heute habe ich die Bilder zur Post gebracht.. mit dem Büchlein „Lilli ist ein Sternenkind“.. das so viele von euch gespendet haben.. Ich danke euch so sehr dafür.. es wird den großen Geschwisterkindern helfen zu verstehen, was passiert ist.. wenn vielleicht den Eltern auch manchmal die Worte fehlen.. wissen sie dann, dass es ok ist, wenn Mama und Papa traurig sind und auch weinen müssen.

Ich Lieben.. ihr kennt das und ich bin euch so unendlich dankbar.. denn nur durch euch wissen so viele von uns.. Teilt diesen Beitrag fleißig.. ruft beim Teilen eure Freunde auf, dies auch zu tun.. bis auch der letzte weiß, dass es uns gibt.. und uns anfordern darf, wenn das Unvorstellbare passiert..

Ich danke euch…

 

 

Homestory Vincent und Victoria

Heute durfte ich meine erste Homestory fotografieren. Die Familie hat es mir wirklich sehr, sehr leicht gemacht.. Es war ein toller Vormittag, an den ich noch lange zurück denken werde..

    

Moments 5

Ihr Lieben..

Ich bedanke mich von ganzen Herzen bei euch für ein tolles Jahr 2017. Wieder durfte ich so liebe Familien kennenlernen und ein kleines Stück an ihrem Leben teilhaben.. In zweierlei Hinsicht.. in zwei völlig verschiedenen Gefühlswelten.. Die Neugeborenen, die mich mit ihren lieben Eltern besucht haben.. und manchmal auch wenige Monate später, wenn die Babys schon sitzen können.. hach.. ich liebe es, die Kinder auf ihrem Lebensweg zu begleiten.. und dann die kleinen Sternenkinder.. die ich auch begleiten darf.. die ich auch kennenlernen durfte…

All das wäre aber nicht möglich ohne die Unterstützung meiner Familie.. die alles mit trägt.. die mich ziehen lässt, wenn ein Sternchen ruft, obwohl wir gerade etwas gemeinsam machen.. Danke an den besten Ehemann der Welt.. – ohne dich … nicht vorstellbar … <3 Danke an meinen Sohn, der auch immer da ist, wenn ich ihn brauche.. an meine Eltern, die mir jegliche Unterstützung geben.. danke an meine Freude, die es verstehen wenn ich mich mal eine zeitlang nicht melde, weil mir einfach die Zeit fehlt.. und danke an meine liebe Kollegen, die immer ein offenes Ohr nach oder auch vor Einsätzen haben.. und Danke an Viola Schnittger (www.viola-schnittger.de) und Sergey Rotach für das tolle Lied..

Danke an all meine liebe Kunden.. ich freue mich auf ein spannendes Jahr 2018.. es wird für mich einige Veränderungen geben.. …eine sehr spannende Zeit..

Ich wünsche euch von Herzen alles erdenklich Gute und freue mich schon jetzt auf unser nächstes Wiedersehen.
Eure Tanja

Paulina

„ Wir müssen unsere kleine Paulina gehen lassen und ich wollte dich fragen, ob du Aufnahmen von uns machen würdest, wenn Paulina geboren wird. Wir wissen nicht genau wann ihr Herz aufhören wird zu schlagen.“

Diesen Satz las ich am 01.02. dieses Jahres als ich mich gerade mit meinen lieben Sternenkindfotografen zum Austausch in einem Restaurant treffen wollte. Ich blieb vor dem Lokal stehen und las die Mail noch mal.. Nur zwei Sätze.. aber wie schwer muss es der Mama gefallen sein, diese zu schreiben..

Ich erzählte gleich meinen Kollegen von dem uns bevorstehenden Einsatz.. Zu dem Zeitpunkt war die Mama in der SSW 24+3.

In den nächsten drei Tagen habe ich jeden Tag mit der lieben Mama geschrieben.. am 04.02. las ich, dass Paulina immer schwächer wird.. so schwer auch für mich diese Zeilen zu lesen.. und unvorstellbar, wie diese Zeit für die Eltern ist.. zu hoffen, Bewegungen zu spüren.. die Angst, wenn es ruhiger ist.. ruhiger wird… Wir hielten uns bereit.. wir alle … jederzeit losfahren zu können..

Was war passiert?

Bei einer Routineuntersuchung in der 23 SSW stellte die Frauenärztin fest, dass Paulina seit drei Wochen nicht mehr gewachsen ist… zudem sieht man nur noch sehr wenig Fruchtwasser. Eine weitere Untersuchung im UKSH steht fest: Ihr geht es gar nicht gut, die Eltern müssen jeden Moment damit rechnen, dass ihre Tochter im Bauch einschläft. Fassungslosigkeit – die Mama schreibt mir, dass sie sich zu dem Zeitpunkt in einer Grauzone bewegten. Paulina ist in der 23.SSW und wiegt unter 500g. Kommt sie nun zur Welt, werden keine lebenserhaltenen Maßnahmen eingeleitet.

Zu Hause angekommen haben die Eltern ihre Familien angerufen und ihnen gesagt, dass Paulina wahrscheinlich sehr bald im Bauch einschlafen wird. Ja. Paulina. Jetzt verraten sie den Namen, denn Paulina soll nicht bloß das Baby sein, dass Tot zur Welt kommen wird. Sie soll ihren Namen tragen.

Die Mama schreibt mir: „Wir planen alles für den Fall das Paulina tot zur Welt kommt…als erstes kontaktieren wir dich, Tanja. Ich weiß wie wichtig mir ihre Bilder sein werden denn Bilder bleiben für immer und halten diesen viel zu kurzen Moment fest.

Eine Woche später die nächste Untersuchung…das Herz schlägt noch aber die Situation ist noch schlechter.. es soll nur noch eine Frage der Zeit sein bis „es“ passiert. Mir wird angeboten die Schwangerschaft abzubrechen. Das kann ich nicht. Paulina soll selbst entscheiden wann es soweit ist und in Würde bei uns sterben. Nicht auf dem Geburtsweg und nicht in den Armen eines Mediziners. Wir entscheiden uns für „abwartendes Verhalten“ und fahren nach Hause.“

Vom Zeitpunkt der ersten Kontakte hatte ich drei Wochen nichts von der Mama gehört, war aber immer in Gedanken bei der kleinen Familie und dann habe ich mich getraut, sie nochmal anzuschreiben und zu fragen, wie es der kleinen Paulina geht.. es sei bisher alles unverändert.. ihr kleines Herz schlägt und schlägt.. berichtet sie mir… sie bleibt länger, als die Ärzte es vermutet haben.. schrieb die Mama.. das waren gute Nachrichten..

Die Mama erzählt weiter: Zu Hause wurden die Eltern von der Hebamme weiter betreut.. „Wir können sie jederzeit anrufen wenn wir das Gefühl haben dass Paulina eingeschlafen ist.“ .. Zwischendurch hatte die Mama immer wieder das Gefühl keine Kindsbewegungen mehr zu spüren.. Ihr Lieben.. ich glaube, diese Gefühle kann man nicht annähernd erahnen, wenn man das nicht durchlebt hat.. Das Wissen, dass das Baby im Bauch sterben wird.. man weiß nicht wann.. dann spürt man nichts mehr.. ich finde dafür keine Worte L

Die Mama: „Wir planen weiter für den Fall der Fälle.. wer kann schon so lange den Tod des eigenen Kindes planen.. die meisten Paare kommen plötzlich und unerwartet in diese Situation ein Sternenkind zur Welt bringen zu müssen.. wir sprechen mit der Klinikpastorin, Nils baut ein „Kistchen“ (ich mag nicht Sarg sagen)“

5 Wochen später schlägt Paulinas Herz noch immer.

Eine weitere Untersuchung im Klinikum: „Die Diagnosen sind niederschmetternd und mir wird wieder angeboten die Schwangerschaft zu beenden aber wir wollen das gemeinsam mit Paulina durchstehen und uns nie fragen müsssen wie und wann das sonst zu Ende gegangen wäre. Wir fahren nach Hause. Herztonkontrollen. Sie bleibt, sie kämpft.

Inzwischen ist die Schwangerschaft so doll fortgeschritten dass man handeln muss, wenn die Geburt aus irgendeinem Grund losgeht und Paulina lebend zur Welt kommt.“

Einige Tage später eine erneute Untersuchung. „Wir haben nichts mehr zu verlieren. Die Ärztin bietet uns die Fruchtwasserauffüllung an.. Wir beide schauen uns an und es ist so unfassbar…seit 8Wochen laufen wir mit dem Gedanken rum, dass unser Baby einschlafen wird und nun kann es vielleicht doch in die andere Richtung gehen.. wir trauen uns nicht zu positiv zu denken.“

Zwei Tage später betraten die Eltern das Krankenhaus. Mit Still-BH und Sarg im Koffer. Keiner konnte sagen, wie es ausgehen wird.

Zielgenau und hochkonzentriert punktiert die Ärztin Paulinas Fruchthöhle…es hätte fast nicht geklappt und aufgrund des wenigen Fruchtwassers war es medizinisches Geschick dass sie das geeignete Fruchtwasserdepot traf.. unter Sectiobereitschaft wurde Paulina Sprite für Spritze NaCl zugefügt…8 Spritzen glaube ich.. danach ein Kontrollultraschall…es war sooo ergreifend.. denn Paulina find direkt an das Fruchtwasser zu schlucken, machte Blubberbläschen und sie bewegte sich wieder…und ich hatte einen mini Schwangerschaftsbauch dank des NaCls…so vergingen 2,5 Wochen im Krankenhaus..2x tägl. CTG-Kontrollen, tägliche Dopplerkontrollen..ich war unter Spannung denn wir hätte jeden Moment auf dem OP Tisch landen können.. ich hatte Angst vor dem Moment.. keiner wusste, wie das hier ausgehen wird.. der Oberarzt der Kinderärzte nannte Paulina eine Blackbox.. man wisse nicht was sie tut und kann, wenn sie zur Welt kommt und ob man sie versorgen kann.. aber sie hätte eine reelle Chance verdient. 2 x wurde Fruchtwasser aufgefüllt.

Hoffnung.

Alles wurde in die Wege geleitet. In der 34 SSW sollte Paulina nun auf die Welt geholt werden. Die Mama schreibt: Wir informierten Tanja, die seit Wochen in den Startlöchern stand.. es tat gut zu wissen dass sie oder einer ihrer Kollegen für den Fall der Fälle da sein wird.

Ihr Lieben.. ich lese jetzt gerade den Chatverlauf, den ich dann am 03.04. mit der Mama hatte..

„Unsere Paulina wird heute per Kaiserschnitt auf die Welt geholt. Falls sie es nicht schafft, melden wir uns wegen der Fotos.“

Ich schrieb der Mama, dass ich mich bereit halte und jederzeit losfahren kann… das ich ihnen ganz dolle die Daumen drücke und ihnen ganz viel Kraft wünsche.

„Kurz vor dem Kaiserschnitt überkam mich plötzlich ein innerer Frieden.. ich hatte das Gefühl das ganz vielleicht alles gut werden kann. Aber ich wusste genau dass Paulina vielleicht versterben wird während ich noch operiert werde. Es ging los, ich blieb ganz ruhig…für unsere Paulina…ganz ruhig…ICH WOLLTE DASS SIE IN LIEBE GEBOREN WIRD.. es war ganz ruhig bis wir hörten „hier gestikuliert schon jemand“ und dann hörten wir drei Schreie.. Paulina… da ist sie.. uns liefen die Tränen.. wir schauten rüber zur Reanimationseinheit auf der Paulina von den Kinderärzten versorgt wurde.. jeder Moment war so kostbar.. sie konnten anscheinend etwas für sie tun…wir sagten immer wieder „jetzt lebt sie schon 3 Minuten, jetzt 5, jetzt 8, jetzt 10“ und dann kam man mit ihr auf mich zu.. ich dachte „oh mein Gott muss ich mich jetzt verabschieden?“ aber nein…es sah erst mal soweit ok aus, dass sie mit auf die Neugeborenen Intensivstation genommen werden konnte und sie wurde mir gereicht, damit ich ihr einen Abschiedskuss geben konnte.. es war unfassbar, sie hat es auf die Station geschafft (wir hatten uns die Station vorher angesehen und wussten nicht ob sie es überhaupt bis dahin schafft und es war ein Geschenk für uns dass sie es geschafft hat). Ich pumpte die erste Muttermilch ab (natürlich kam noch nichts) ..es war mir wichtig, das in die Gänge zu bringen und wenn ich die Milch zum Grab getragen hätte..

Ich wusste von all dem natürlich nichts, war aber die ganze Zeit in Gedanken bei den lieben Eltern und der kleinen Kämpferin.. Den ganzen Nachmittag stand das Telefon still und am späten Abend dann die SMS… eine SMS mit nur zwei Worten:

Sie lebt <3

Paulina ist mit 615g auf die Welt gekommen.

Ein Wunder.

In den kommenden Wochen habe ich hin und wieder Kontakt zu der Mama gesucht, weil mich Paulinas Geschichte so sehr begleitet hat.. und jedes Mal, wenn ich ein neues Foto bei whatsApp gesehen habe, dachte ich: wow.. so groß ist sie schon.. ich habe mich so sehr mit den Eltern gefreut..

Und dann.. am Weltfrühgeborenen Tag stand die kleine Familie auf einmal vor mir. Die Mama wandte sich zum Papa: Das ist die Fotografin, die die Fotos gemacht hätte.. Ich sprach Paulina an und sie schenke mir ein Lächeln.. Ihr Lieben.. ihr glaubt gar nicht, wie berührt ich war..

Und diese Woche.. diese Woche hat mich Paulina im Studio besucht.. seht sie euch an.. Ich bin schockverliebt <3 <3 <3

… die Mama möchte mit ihrer Geschichte anderen Eltern Mut und Hoffnung geben… Keiner von den Ärzten hatte diese Hoffnung… es schien aussichtslos.. aber die Eltern hatten den Mut Paulina entscheiden zu lassen.. und die Kleinen hat es allen gezeigt…

Als wir nach dem Shooting im Flur standen sagte die Mama mir, es war ein ganz komisches Gefühl zu mir zu fahren.. Das wir uns an einem „Fototermin“ kennenlernen würden war für die Mama klar.. aber das es „so ein“ Fototermin wird.. ein Termin wo Paulina lacht.. und fröhlich ist.. und lebt… die Gefühle kamen auf der Fahrt nochmal stark hervor..

Heute ist Paulina knapp 8 Monate alt und ein aufgewecktes, fröhliches und super süßes kleines Mädchen <3

Danke ihr Lieben, dass ich die für mich so besonders schöne Geschichte erzählen darf…

Ich weiß nicht, wie es euch geht.. aber ich bin so voller Dankbarkeit und ich bin so glücklich, dass es diese kleine und so liebe Familie geschafft hat..

Danke für’s Lesen..

Bitte teilt diesen Beitrag fleißig.. er soll anderen Eltern Mut machen.. und er soll aber auch aufklären.. dass wir das sind.. wenn wir gebraucht werden.. dass Eltern uns bitte, bitte ansprechen.. auch bei Fragen … wir von Dein Sternenkind – wir Kieler Fotografen –  sind für euch da <3

Paulina:
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